GESUNDHEIT: Minister Blokhuis will Gesundheitsfürsorge verpflichten, Menschen mit komplexen psychischen Problemen zu helfen

Den Haag, TA/NRC/NOS, 29. Januar 2020

Seit letzter Woche Montag protestiert die Niederländerin Charlotte Bouwman in der Eingangshalle des Ministeriums für Volksgesundheit. Grund für ihren Protest sind die langen Wartelisten für Menschen mit komplexen und schwerwiegenden Problemen, die es zurzeit noch in der psychischen Gesundheitsfürsorge in den Niederlanden gibt. Bouwman steht bereits seit mehr als 800 Tagen auf einer solchen Warteliste. Nun will Minister Blokhuis (ChristenUnie) Einrichtungen der psychischen Gesundheitsfürsorge (ggz) dazu verpflichten, Personen mit solchen Problemen kurzfristig Hilfe zu bieten.

Die 26-jährige Bouwman ist am Manifest „Lijm de Zorg“ (deutsch „Kitte die Pflege/das Gesundheitswesen“) beteiligt, das letzte Woche Montag präsentiert wurde. Darin wird unter anderem eine Verbesserung der jetzigen, von Wartelisten, Personalmangel und unnötiger bürokratischer Belastung gezeichneten Situation, gefordert. Rund 38.000 Personen sollen das Manifest innerhalb von zwei Tagen unterzeichnet haben, darunter auch die Parlamentsmitglieder Lisa Westerveld (GroenLinks) und Martin Wörsdörfer (VVD).

Über die genaue Ursache für die „stille Katastrophe“ in der psychischen Gesundheits- und Jugendfürsorge scheinen sich viele Mitglieder der Zweiten Kammer noch uneins zu sein. So Sieht Joba van den Berg (CDA) die Gründe in der riesigen Menge von Anbietern, welche die Gesundheitsfürsorge als Ertragsmodell sehen. Das Manifest rufe ihrer Meinung nach zu Recht zu mehr Zusammenarbeit statt freier Marktwirtschaft auf.

Antje Diertens von der D66 glaubt in der freien Marktwirtschaft jedoch nicht das Problem der Gesundheitsfürsorge zu erkennen. Vielmehr lege das bürokratische System betroffenen Personen Steine in den Weg. So könne man sich beispielsweise nicht gleichzeitig für psychische Probleme und Suchtprobleme behandeln lassen, so Diertens. Die Gesundheitsfürsorge könne und müsse effizienter arbeiten.

Mittlerweile haben mehrere niederländische Politiker das Gespräch mit Charlotte Bouwman gesucht und ihr ihre Unterstützung ausgesprochen. Gegenüber der Tageszeitung NRC Handelsblad äußerte Bouwman die Hoffnung, dass den positiven Worten der Politiker auch Taten folgen werden. Sie wolle, dass jemand die Verantwortung für die derzeitige Situation auf sich nehme.

Am heutigen Mittwoch will Blokhuis mit der Zweiten Kammer über diese Probleme in der Gesundheitsfürsorge sprechen. Seinen Plänen zufolge sollen Personen mit schweren psychsichen Problemen von Einrichtungen und Versicherern innerhalb weniger Wochen zur Verfügung gestellt werden. Wenn das nicht gelinge, müsse der niederländische Staat eingreifen.