GESELLSCHAFT: Deutschland spendet vier Millionen Euro für Holocaustmuseum

Amsterdam, TA/VK/NRC/NOS, 14. Januar 2020

Die deutsche Regierung spendete am vergangenen Montag 4 Millionen Euro an das Niederländische Holocaustmuseum in Amsterdam. Das ist der höchste Betrag, den Deutschland jemals einer vergleichbaren niederländischen Institution schenkte.

Das Niederländische Holocaustmuseum (NHM) wurde vor vier Jahren als Versuchsprojekt gestartet und sollte zu einem vollständigen Museum umgebaut werden, sobald ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung stehen. Zwar ist die Finanzierung des Umbaus noch nicht vollständig geklärt, die Spende Deutschlands liefert jedoch einen wertvollen Beitrag. „Mit der Spende Deutschlands haben wir einen Punkt erreicht, an dem wir sagen können: Es wird klappen“, so Emile Schrijver, Direktor des Joods Cultureel Kwartier, einer niederländischen Organisation, zu der u. a. auch das NHM gehört. Wie der Name bereits vermuten lässt, beschäftigt sich die Organisation mit der jüdischen Geschichte und dem Holocaust in den Niederlanden.

Das Nationaal Holocaust Museum soll allerdings keine niederländische Kopie der Holocaustmuseen in Berlin oder Washington werden, so Schrijver. Seiner Meinung nach manipuliere man dort die Stimmung der Besucher durch Enge und Dunkelheit zu sehr. Der Holocaust habe vielmehr nicht im Stockdunkeln, sondern im Beisein von Zuschauern bei Tageslicht und im Sonnenschein stattgefunden. Da diese Umstände im NHM verdeutlicht werden sollen, wird das Museum vermutlich hell und lichtdurchflutet konzipiert werden.

Untergebracht ist das NHM in der ehemaligen Kweekschool , eine reformierten Bildungsanstalt in Amsterdam. Der Garten des Gebäudes grenzte an ein Kinderhaus, in dem jüdische Kinder untergebracht wurden, während ihre Eltern in der Hollandse Schouwburg auf der anderen Straßenseite auf ihre Deportation warteten. Durch die benachbarten Gärten wurden ungefähr 600 Kinder in die Kweekschool geschleust und wurden dann zum Untertauchen an verschiedene Orte im ganzen Land geschickt. Die Kinder konnten die Kweekschool unbemerkt verlassen, da sich direkt vor deren Eingang eine Straßenbahnhaltestelle befand. Wenn die Tram dort hielt, war die Sicht der Wärter, die vor der Schouwburg standen, versperrt, sodass man die Kweekschool ungehindert verlassen konnte.

Auch der niederländische Staat hat Geld für den Umbau des NHM gespendet, 5,6 Millionen Euro. Darüber hinaus entscheidet die Gemeinde Amsterdam noch über die Höhe ihrer Spendenzahlung. Der Rest der benötigten 27 Millionen Euro wird durch Beiträge von vermögenden Privatpersonen oder Unternehmen gedeckt werden. Dazu zählen unter anderem Firma Philips oder die niederländische Eisenbahngesellschaft Nederlandse Spoorwegen, die beide in Kriegszeiten mit den deutschen Besatzern zusammenarbeiteten. Zur Finanzierung sollen bewusst Firmen oder Regierungen angesprochen werden, die im Zweiten Weltkrieg mit den Nationalsozialisten kollaboriert haben.

Der deutsche Staat spendet regelmäßig Geld an Einrichtungen im In- und Ausland, die die Erinnerung an den Mord von rund 6 Millionen Juden zur Zeit des Nationalsozialismus am Leben erhalten wollen. So sollen auch 60 Millionen Euro an die Gedenkstätte im ehemaligen KZ Ausschwitz gespendet werden.