WIRTSCHAFT: ABN Amro zahlt keine Zinsen mehr an Privatkunden

Den Haag, TA/VK/NRC/NOS, 14. Januar 2020

Die niederländische Bank ABN Amro wird Privatkunden ab dem 01. April dieses Jahres keine Zinsen mehr für ihr Sparguthaben auszahlen. Damit hat erstmals eine der großen, niederländischen Banken ihren Zins auf 0,00 % gesenkt. Wer ein Sparvermögen von mehr als 2,5 Millionen Euro auf der Bank liegen hat, soll sogar einen Negativzins bezahlen.

Dieser Negativzins soll 0,5 % betragen. Durch ihn verliert eine Privatperson, die ein Sparguthaben in Höhe von 5 Millionen Euro auf seinem Konto liegen hat, laut der Tageszeitung de Volkskrant jährlich rund 12.500 Euro seines Vermögens, wobei die ersten 2,5 Millionen vom Negativzins freigestellt sind. ABN Amro begründet diese Entscheidung mit der Tatsache, dass die Bank selbst auch dafür zahlen müsse, Geld bei der Europäischen Zentralbank unterbringen zu dürfen. Durch die Anpassung des Zinssatzes wird ABN Amro zukünftig 25 Millionen Euro an Kosten einsparen.

Für große Geschäftskunden erhebt die Bank bereits seit längerem Negativzinsen. Nun werden allerdings auch die Zinsen der Privatkunden angepasst. Für viele Kunden wird sich diese Änderung jedoch kaum auf ihrem Konto bemerkbar machen, da der aktuelle Zinssatz für Privatkunden 0,01 % beträgt. Bei einem Vermögen von 20.000 Euro werden zurzeit also 2 Euro Zinsen pro Jahr gezahlt. Im November letzten Jahres verkündete ABN Amro, dass Privatkunden mit einem Sparvermögen bis zu 100.000 Euro nicht mit Negativzinsen konfrontiert werden. Hierzu würden rund 95 Prozent ihrer Kunde zählen.

Laut der Tageszeitung de Volkskrant könnten auch andere große Banken, wie etwa die Rabobank oder ING, diesem Beispiel folgen. Allerdings geben beide Banken an, keine Pläne in diese Richtung zu verfolgen. ING zahlt Kunden bis zu einem Vermögen von 1 Millionen Euro 0,01 % Zinsen. Auch bei der Rabobank erhalten Kunden diesen Zinsbetrag ausgezahlt, allerdings bis zu einem Vermögen von 5 Millionen Euro. Oberhalb dieser Grenze zahlen beide Banken 0,00 % Zinsen.

Vertreter in der Zweiten Kammer hatten Finanzminister Hoekstra (CDA) im vergangenen Jahr aufgefordert, ein mögliches Verbot von Negativzinsen zu prüfen. Hoekstra verkündete in einem Brief an die Kammer jedoch, dass es vorerst kein solches Verbot geben werde. Dieser Schritt sei zu drastisch und die negativen Folgen wären unverhältnismäßig.