POLITIK: Augenverletzungen durch Feuerwerk um 30 Prozent gestiegen – Feuerwerksverbot wird weiter diskutiert

Rotterdam, EF/NRC/NOS, 08. Januar 2020

Wie in jedem Jahr rund um den Jahreswechsel ist ein mögliches Verbot für Feuerwerk ein viel diskutiertes Thema. Nicht zuletzt auch aus dem Grund, weil von Feuerwerkskörpern oft viele Gefahren ausgehen, unabhängig davon, ob man diese selbst zündet oder sich nur als Zuschauer in der Nähe befindet. Beim aktuellen Jahreswechsel kam es in den Niederlanden in der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Januar zu vielen Unfällen. Dabei ist die Anzahl der Verletzten mit Augenschäden um 30 Prozent gestiegen.

In der vergangenen Silvesternacht kam es zu vielen Unfällen. Dabei erlitten rund 1.300 Menschen in den Niederlanden Verletzungen, die durch größtenteils legales Feuerwerk verursacht wurden. Das sind etwa 100 Personen mehr als im Jahr zuvor. Unter diesen Verletzten haben insgesamt 168 Menschen Schäden an ihren Augen erlitten. Über die Hälfte waren Passanten und hatten mit dem Entzünden des Feuerwerks nichts zu tun. Insgesamt 13 der Opfer von Feuerwerkskörpern sind auf mindestens einem Auge erblindet. In fünf Fällen musste das Auge sogar völlig entfernt werden. Das melde die niederländische Rundfunkanstalt NOS am Mittwoch. Die Basis dafür bildet ein Bericht der Nederlands Oogheelkundig Gezelschap (NOG). Damit ist die Anzahl der Augenschäden durch Feuerwerkskörper um 30 Prozent gestiegen. Im Jahr zuvor kam es insgesamt zu 132 Verletzungen am Auge.

Allein die Augenklinik in Rotterdam empfing am Silvesterabend 18 durch Feuerwerk verletzte Menschen. Das sind für doppelt so viele, wie im Jahr zuvor. „Ich habe dies in acht oder neun Jahren nicht so intensiv erlebt“, sagte der Augenarzt Tjeerd de Faber letzte Woche gegenüber der niederländischen Tagezeitung NRC Handelsbald. Und dieser Eindruck bestätigt sich. Seit 2008 werden die Augenschäden, die durch Feuerwerk entstehen, registriert. Seither kam es zu mehr als 2.500 Augenverletzungen. Damit ist die Anzahl der Verletzungen das dritte Jahr in Folge gestiegen.

Diese erschreckenden Zahlen sorgen auch in der Tweede Kamer für Diskussionen. Klaas Dijkhoff, Parteichef der VVD, bestätigte am Dienstag, dass ein nationales Verbot von Feuerwerkskörpern Gegenstand heftiger Diskussion innerhalb seiner Partei sei. Am Freitag wird der Ministerrat ein mögliches Verbot erörtern, welches von einer knappen Mehrheit der Tweede Kamer befürwortet wird. Die VVD in Rotterdam hat sich nun ebenfalls für ein Verbot von Feuerwerkskörpern ausgesprochen. Grund dafür ist nicht nur die steigende Anzahl an Verletzungen, sondern auch „Atmosphäre der Gesetzlosigkeit“ in verschiedenen Stadtteilen Rotterdams, in denen in der vergangenen Silvesternacht Autos und Container in Brand gesteckt wurden. Damit ist Rotterdam voraussichtlich die erste der vier großen Städte, die auf Konsumentenfeuerwerk verzichtet.

Für diejenigen, die auf Feuerwerk beim Jahreswechsel aber nicht verzichten wollen, gibt es einen Lichtblick. Die VVD-Fraktion unterstützt ein Feuerwerksverbot nur dann, wenn die Gemeinde in allen 14 Stadtteilen Gelder für die Organisation von professionellen Feuerwerksshows zur Verfügung stellt, „damit jeder Rotterdamer weiterhin Feuerwerk genießen kann“. Rotterdams Bürgermeister Ahmed Aboutaleb (PvdA) ist durchaus bereit, den Vorschlag der VVD näher zu untersuchen. Er bevorzuge allerdings eine nationale Lösung des Problems seitens der niederländischen Regierung, die den Verkauf und Vertrieb verbieten solle. Andernfalls könne man in Rotterdam lediglich da Entzünden von Feuerwerk verbieten.

In Amsterdam unternimmt man bereits seit 2016 den Versuch, Feuerwerkskörper zu verbieten. Der aktuelle Ansatz, in einzelnen Gebieten Amsterdams Feuerwerk zu verbieten, ist laut Amsterdams Bürgermeisterin Femke Halsema (GroenLinks) veraltet. Am Donnerstag wird auch der Gemeinderat von Amsterdam daher über ein generelles Verbot von Feuerwerk diskutieren.