MOBILITÄT: D66 will Nachtflugverbot auf Flughafen Schiphol

Amsterdam, SF/NOS/CBS/Schiphol/HP/DN/luchtvaartnieuws.nl, 25. April 2019

Rund 20.000 Nachtflüge verzeichnet der Amsterdamer Flughafen Schiphol pro Jahr. Geht es nach der linksliberalen Koalitionspartei D66, sollte die Anzahl an Nachtflügen auf null sinken – oder zumindest stark begrenzt werden. Schiphol ist zwar der mit Abstand wichtigste Flughafen der Niederlande, allerdings werden Anwohner immer wieder vom nächtlichen Fluglärm belästigt. Hinzu kommt der massive CO2-Ausstoß, der durch die Flugbewegungen produziert wird. Mit den Nachtflugverboten will D66 an internationale Standards anknüpfen: In London, Paris und auch Frankfurt am Main ist die Drosselung des Flugverkehrs bei Nacht seit Langem gang und gebe.

Gute 518.000 Flugzeuge hoben im vergangenen Jahr in Schiphol ab oder kamen dort an. Mit einer halben Millionen Flügen und 63,5 Millionen Passagieren ist Schiphol in den Niederlanden der Flughafen mit dem meisten Betrieb – und der drittgrößte Flughafen Europas. Abgeschlagen auf Platz zwei der Flugstatistik landet der Airport Rotterdam The Hague, der es gerade einmal auf ein Zehntel der Flugbewegungen schafft. Schiphol ist damit ein wichtiger Pfeiler der niederländischen Wirtschaft: als Warenumschlagplatz, Ankunftsort ausländischer Touristen und Tor zur Welt für reisefreudige Niederländer. Über 2.000 Menschen sind direkt auf Schiphol beschäftigt. Weitaus mehr Arbeitsplätze dürften indirekt am Flughabenbetrieb hängen.

Doch was den Tourismus und die Luftfahrtbranche freut, ist zugleich das Leid der Anwohner. Seit Jahren wird über den Lärm geklagt, den der Flugverkehr erzeugt. 2018 zählte das Flughafenmanagement Schiphols 121.000 Beschwerden – ein Rekord! Das Interessante daran: Nicht nur die Amsterdamer Bevölkerung beschwert sich über den Fluglärm. Auch aus den Provinzen Overijssel, Gelderland und sogar Friesland werden Beschwerdeschriften an Schiphol versendet. Doch allem Protest zum Trotz wird der Flughafenbetrieb auf Schiphol aufrechterhalten. Im letzten Jahr konnte Schiphol die Flugbewegungen sogar steigern, wenn auch minimal.

Nun soll zwischen 23.00 Uhr und 5.00 Uhr mit den Nachtflügen Schluss sein, das fordert zumindest die linksliberale Partei D66. Der Luftfahrtexperte der D66-Fraktion in der Zweiten Kammer, Jan Paternotte, fordert ein totales Nachtflugverbot auf Schiphol: „Schiphol hat mehr Nachtflüge als Paris, London und Frankfurt zusammen“, so Paternotte gegenüber dem niederländischen Rundfunk. Und tatsächlich: Auf London Heathrow finden nachts nur 5.800 Flüge statt, auf Paris Charles de Gaulle mit 5.500 etwas weniger. Der Frankfurter Flughafen verzichtet gänzlich auf Flüge bei Nacht. Unterstützung erhofft sich D66 vonseiten der linken und kleineren Fraktionen im niederländischen Parlament: Die mitregierende ChristenUnie signalisierte bereits Sympathien für den Gesetzentwurf, auch wenn sich die Christsozialen gegen ein absolutes Verbot aussprachen.

Auch aus der Opposition findet der D66-Antrag Unterstützung. Die Öko-Parteien GroenLinks und Partij voor de Dieren fordern bereits seit Jahren ein Nachtflugverbot auf Schiphol. Die linke SP möchte hingegen einen schrittweisen Abbau der Nachtflüge. Überzeugungsarbeit muss D66 hingegen bei der liberalen VVD leisten, die dem Gesetzentwurf skeptisch gegenübersteht. VVD-Verkehrspolitiker Remco Dijkstra sagte im Gespräch mit RTL Nieuws, dass Nachtflugverbote zu mehr Druck auf dem Flughafen am Tag führen können. Das sei nicht die Intention der Regierung, so Dijkstra. Aus dem VVD-geführten Verkehrsministerium heißt es darüber hinaus, dass die Nachtflüge auf Schiphol momentan kein Thema seien. Man wolle erst eine Entscheidung über den Flughafen Lelystad in Flevoland treffen, der im nächsten Jahr für den Touristenverkehr geöffnet werden soll. Dagegen formierte sich indes lokaler Protest. Die Bevölkerung fürchtet nämlich immensen Fluglärm – so wie auf Schiphol.