GESELLSCHAFT: 2019 war ein Jahr voller Proteste

Den Haag, EF/VK/NRC/NOS, 30. Dezember 2019

Das Jahr 2019 neigt sich dem Ende. Für viele ein Anlass, um ein Resümee über das vergangene Jahr zu ziehen. Das Fazit: Weltweit war das Jahr 2019 geprägt von Protesten, die in den Medien für viel Wirbel gesorgt haben. Dieses gilt sicher auch für die Niederlande, denn hier wurde in den letzten 50 Jahren kaum so viel demonstriert wie im vergangenen Jahr. In den vergangenen Monaten sind sowohl Landwirte und Lehrer als auch Pflegekräfte, Menschen aus dem Baugewerbe und Klimaaktivisten auf die Straße gegangen, um sich Gehör zu verschaffen. Oft wurde das Malieveld in Den Haag als Demonstrationsort auserkoren.

Im vergangenen Jahr berichtete NiederlandeNet immer wieder über die verschiedenen Proteste, die sich in den Niederlanden abgespielt haben. Dazu gehören unter anderem, inspiriert von der allseits bekannten Klimaaktivistin Greta Thunberg, die Schulstreiks und Protestmärsche für das Klima im Februar. Organisiert wurden diese von der Protestgruppe Youth for Climate NL, die rund 15.000 Schülerinnen und Schüler dazu bewegen konnte, an der Aktion teilzunehmen. Eine andere weltweit aktive Klimaschutz-Gruppe, die dieses Jahr in den Niederlanden für Schlagzeilen sorgte, war Extinction Rebellion, die im Oktober die Stadhouderskade in Amsterdam blockierte.

Ein weitere Gruppe protestierender Menschen kam aus dem Landwirtschaftssektor. Sie sorgten vor allem im Oktober für Aufsehen, als die Protestgruppe Agractie rund 10.000 Männer und Frauen aus allen Regionen des Landes dazu bewegen konnte, sich mitten in der Nacht auf den Weg zum Malieveld in Den Haag zu machen. Viele von ihnen waren mit ihren Traktoren unterwegs und blockierten Autobahnen und Landstraßen. Die Ursache dieses Streiks liegt in der viel diskutierten Stickstoffkrise und der damit verbundenen Forderung, den Viehbestand zu halbieren. Diese und die folgenden Aktionen blieben nicht ohne Wirkung. Die Regierung und Vertreter verschiedener Landwirtschaftsorganisationen, die sich zum Landbouw Collectief zusammengeschlossen haben, befinden sich aktuell in Verhandlungen über zu ergreifende Maßnahmen.

Eine weitere Gruppe, die sich ebenfalls nicht mit den Regierungsplänen bezüglich der Stickstoffpolitik einverstanden erklärte, war der Bausektor. Diese fanden sich ebenfalls im Oktober auf dem Malieveld ein, um gegen die Stilllegung von Bauprojekten und die viel zu niedrigen PFAS-Werte zu demonstrieren.

Anfang November kam es zu einer weiteren großen Protestaktion. Diesmal gingen niederländische Lehrkräfte aus dem Bereich des basis- und middelbaar onderwijs auf die Straße, um mehr Geld für den Bildungssektor zu fordern. Mit diesem Geld sollten die Löhne erhöht und mehr ausgebildete Lehrkräfte eingestellt werden, um den großen Lehrermangel in den Niederlanden zu beheben. Bereits im März dieses Jahres demonstrierten viele Lehrkräfte auf dem Malieveld in Den Haag, aber die dann von Bildungsminister Arie Slob (ChristenUnie) zugesprochene Einmalzahlung von 460 Millionen Euro sei nicht ausreichend, um die Forderungen der Lehrer zu erfüllen. Aus diesem Grund ist am 30. und 31. Januar des kommenden Jahres ein erneuter Lehrerstreik geplant.

Die letzte protestwillige Gruppe, die in diesem Zusammenhang sicher genannt werden muss, ist die Gruppe der Pflegekräfte. Diese haben Ende November ihre Arbeit niedergelegt, um für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Lohn zu demonstrieren. Ihnen wurde schließlich eine Einmalzahlung in Höhe von 1.200 Euro und 8 Prozent mehr Lohn verteilt auf 2 Jahre zugesprochen.

Diese unzähligen Proteste haben im vergangenen Jahr in den Niederlanden für viel Gesprächsstoff gesorgt. Nichtsdestotrotz sind die gesellschaftlichen Unruhen in den Niederlanden, so das Sociaal en Cultureel Planbureau (SCP), nicht gestiegen. „Angesichts der Anzahl der Demonstrationen in den Niederlanden scheint es viele soziale Unruhen zu geben. Dennoch ist die (durchschnittliche) Stimmung derzeit nicht negativer als zuvor“, sagen die Forscher. Eine mögliche Erklärung dafür bestehe darin, dass es keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Unzufriedenheit und Protest gebe, so die Analyse des SCP. Protest sei unvorhersehbar und abhängig von vielen, teilweise auch persönlichen Faktoren und Kontexten ab.