BILDUNG: Anzahl der Schüler an islamischen Grundschulen immens gestiegen

Den Haag, EF/NOS/VK, 11. Dezember 2019

Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler, die in den Niederlanden eine islamische Grundschule besuchen, ist in den vergangenen zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen. Dies geht aus den Statistiken des DUO (Dienst Uitvoering Onderwijs), einer staatlichen Bildungsorganisation der Niederlande, hervor. Noch im Jahr 2008 besuchten 9.324 Schüler in den Niederlanden eine islamische Grundschule. Im Jahr 2018 waren es bereits 15.078 Schülerinnen und Schüler.

Insgesamt gibt es in den Niederlanden aktuell 54 islamische Grundschulen und zwei weiterführende Schulen, schreibt die niederländische Tageszeitung de Volkskrant. Etwa jedes achte muslimische Kind besucht eine dieser Grundschulen, was rund 1 Prozent aller Grundschüler ausmacht. Zum Vergleich: Rund 60 Prozent der niederländischen Grundschüler besuchen derzeit eine protestantische oder katholische Grundschule. Der Grund für das starke Wachstum der islamischen Schulen sehen Experten in der steigenden Unterrichtsqualität. So haben die Schülerinnen und Schüler islamischer Grundschulen in den letzten fünf Jahren die besten Ergebnisse bei den Cito-Tests erzielt, einem Test, der am Ende der Grundschulzeit das Lernniveau eines Schülers angeben soll.

Die Begeisterung in den Niederlanden für islamische Grundschulen steigt. Allein im vergangenen Jahr öffneten vier neue islamische Grundschulen ihre Türen. Zu diesen Schulen gehört unter anderem auch die Grundschule Al Amana in Zeist, für die sich gleich zur Eröffnung 200 Schülerinnen und Schüler bewarben. Damit konnte diese Schule direkt mit neun Klassen beginnen.

Allerdings sorgten diese Schulen im vergangenen Jahr auch für negative Schlagzeilen. Im September berichtete die niederländische Nachrichtensendung Nieuwsuur, dass die islamischen Grundschulen an den ISBO, den Dachverband der islamischen Schulen angeschlossen sind, und Lehrbücher mit nicht zeitgemäßem Inhalt verwenden. Dazu zählen insbesondere die Umgangsformen zwischen Männern und Frauen. Jungen und Mädchen sei es beispielsweise nicht gestattet, sich gegenseitig anzusehen. Hinzu kommt die Verurteilung der Homosexualität. Inwiefern diese Vorwürfe der Wahrheit entsprechen, wird aktuell vom Bildungsinspektorat untersucht.

Weiterhin gab es in diesem Jahr in der Gemeinde Westland großen Widerstand gegen die Einführung einer neuen islamischen Schule seitens des Gemeinderates. Dieser sträubte sich gegen die Eröffnung einer islamischen Schule, und das, obwohl der Staatsrat bereits entschieden hatte, dass es keinen juristischen Einwand gegen die Eröffnung der islamischen Schule gebe. Der niederländische Bildungsminister Arie Slob (ChristenUnie) setzte daraufhin den Gemeindesrat außer Gefecht. Damals kündigte er an, sollte die Gemeinde sich weiterhin weigern, die Entscheidung des Staatsrates anzuerkennen, die Eröffnung der Schule trotzdem durchzusetzen.

Das Thema Bildungsfreiheit in Verbindung mit dem Religionsunterricht ist immer wieder ein vieldiskutiertes Thema. Dabei ist die Bildungsfreiheit im niederländischen Grundgesetz in Artikel 23 klar geregelt. Doch munkelt man, dass die Politik zurzeit versucht, die im Grundgesetz verankerte Bildungsfreiheit zu „modernisieren“, heißt es in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant. Religiöse Schulen mit ‚veralteten‘ Ansichten bezüglich der Umgangsformen zwischen Mann und Frau oder aber der Homosexualität seien nicht mehr zeitgemäß.