GESELLSCHAFT: Proteste nach abgesagten Freudenfeuern

Den Haag, TA/VK/NRC/NOS/Trouw, 03. Dezember 2019

Die sogenannten Freudenfeuer sind eine Silvestertradition der Den Haager Gemeindeteile Scheveningen und Duindorp. Zur Jahreswende werden dort am Strand riesige Holzstapel angezündet, um so den Beginn des neuen Jahres zu feiern. Aufgrund von Sicherheitsbedenken, die zu strengeren Vorschriften beim Bau der Feuerstapel geführt haben, wurde das Freudenfeuer in Duindorp abgesagt, da die Vorschriften nicht zu erfüllen seien. Das führte zu Protesten und Brandstiftungen.

Während des Freudenfeuers (ndl. vreugdevuur) im vergangenen Jahr kam es in Scheveningen durch starken Wind zu einem Funkenregen, der sich über Wohnviertel ergoss und zu mehreren Bränden führte. Auch wurden viele Dächer beschädigt und laut der Tageszeitung Trouw seien durch die Feuer sogar Autos beschädigt oder geschmolzen worden. Grund für den Funkenflug und die extreme Hitze war die Tatsache, dass die Feuer 13 Meter höher als erlaubt waren, da nachts noch zusätzliches Holz aufgestapelt wurde. Durch die Vorkommnisse in der Silvesternacht 2018/19 geriet die damalige Bürgermeisterin Den Haags, Pauline Krikke, stark in die Kritik und kündigte später ihren Rücktritt an.

Damit die Feuer in diesem Jahr sicher und kontrolliert abbrennen können, erließ die Gemeinde Den Haag - zu der Scheveningen und Duindorp gehören - strengere Sicherheits- und Umweltvorschriften. Diese Bedingungen seien jedoch aus Sicht der zuständigen Feuerbauer nicht umsetzbar gewesen. Ad Scherpenzeel , einer der Erbauer aus Duindorp, sagte gegenüber der Tageszeitung NRC Handelsblad, dass er sich von der Gemeinde im Stich gelassen fühle. Während einer Gemeindeversammlung sagte er außerdem, dass das Unmögliche von ihm verlangt werde.

Am 29. November hatten die verantwortlichen Erbauer der Feuer via Facebook angekündigt, dass kein Freudenfeuer in Duindorp stattfinden wird. Als Reaktion aus der Bevölkerung kam es zu Brandstiftungen von Containern, Abfalleimern und eines Baumes. Auch soll eine Bushaltestelle zerstört worden sein. Drei Nächte dauern die Proteste am heutigen Dienstag bereits an und 13 Personen sollen in der Nacht von Sonntag auf Montag verhaftet worden sein. Darunter auch ein 9-jähriger Junge, der Berichten der NOS zufolge mit einem Molotowcocktail aufgegriffen worden sei.

Auch in der vergangenen Nacht kam es wieder zu Ausschreitungen. Die sogenannte mobiele eenheid (dt. Bereitschaftspolizei) der niederländischen Polizei war vor Ort, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Auf dem Tesselsplein im Zentrum Duindorps soll eine Gruppe von 50 bis 100 Personen Feuerwerk abgefeuert haben, weshalb die Polizei den Platz absperrte. Laut der Tageszeitung de Volkskrant kam es zu einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Demonstranten – vor allem Jugendlichen – und den Polizeieinheiten. Mehrere Mülleimer sollen wieder in Brand gesteckt worden sein. Laut Angaben der Polizei Den Haags wurden 12 Personen (zwischen 15 und 58 Jahren alt) verhaftet.

Die Entscheidung, ob das Freudenfeuer in Scheveningen stattfinden kann, wird am heutigen Dienstag getroffen. Laut Bürgermeister Johan Remkes (VVD) sei es „höchstunwhrscheinlich“, dass das Feuer stattfinden wird.