BILDUNG: Kontroverse um islamische Schule in Amsterdam

Amsterdam, SF/Trouw/NRC/HP/Cornelius Haga Lyceum, 12. März 2019

Die Amsterdamer Cornelius-Haga-Privatschule zählt zu den wenigen weiterführenden Schulen in den Niederlanden mit islamischer Grundausrichtung. Die Schule wurde erst 2017 gegründet und steht jetzt in der Kritik: Grund hierfür ist der Verdacht, dass dschihadistische Kräfte an der Schule ihr Unwesen treiben könnten. Die Stadt Amsterdam hat bereits die finanzielle Förderung der islamischen Schule eingestellt; auch Schulminister Arie Slob (ChristenUnie) erwägt das Ende der Subventionierung. Ob die Schule jedoch geschlossen werden kann, ist zurzeit noch fraglich.

„Die Cornelius-Haga-Schule ist antidemokratisch, behindert Integration und arbeitet der Schulaufsicht entgegen“ – vernichtender kann ein Urteil über eine Schule kaum lauten. Der Satz stammt aus der niederländischen Tageszeitung Trouw, die in den letzten Tagen viel über die umstrittene Schule in Amsterdam berichtete. Der Skandal: Der niederländische Geheimdienst AIVD berichtete der Stadtverwaltung am vergangenen Donnerstag, dass „richtungsweisende Personen“ in Verbindung mit tschetschenischen Terrorbanden stünden. Einen darauffolgenden Besuch der Schulaufsichtsbehörde behinderte die islamisch geprägte Schule. Bürgermeisterin Femke Halsema (GroenLinks) forderte daraufhin die Entlassung der Schulleitung. Zahlreiche Abgeordnete der Zweiten Kammer gingen noch einen Schritt weiter und sprachen sich für die Schließung der Schule aus.

Doch ganz so leicht ist es in den Niederlanden nicht, eine Privatschule zu schließen. Das niederländische Grundgesetz schützt in Artikel 23 die absolute Unterrichtsfreiheit. Mit anderen Worten: Ist eine Privatschule erst einmal gegründet, ist es kaum möglich, dass der Staat sie schließt. Möglich wäre eine Schulschließung nur in Ausnahmefällen, zum Beispiel wenn strafrechtlich relevante Beweise gegen die Schule vorlägen. Die extreme Unterrichtsfreiheit ist ein Erbe des sogenannten Schulstreits, der bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts in den Niederlanden wütete. Infolge des Schulstreits wurde ebenfalls die finanzielle Gleichstellung von staatlichen und konfessionellen Schulen festgelegt. Das bedeutet, dass private Schulen genauso wie staatliche Bildungseinrichtungen zu 100 Prozent vom Staat finanziert werden.

Dass in den Niederlanden islamische Privatschulen gegründet werden können, ist vor diesem Hintergrund nicht aufsehenerregend. In der Cornelius-Haga-Schule wird der Unterricht zwar mit einem bestimmten religiösen Einschlag erteilt, allerdings werden den Schülerinnen und Schülern auch die Evolutionstheorie und die Grundlagen des Christentums und Judentums beigebracht. Die Qualität des Unterrichts steht auch überhaupt nicht zur Debatte – im Gegenteil: Es geht um die Sicherheitssituation an der Schule. Der Geheimdienst AIVD wirft Schuldirektor Söner Atasoy und seinem ebenfalls für die Schule tätigen Bruder Son Tekin Atasoy vor, Verbindungen zur Terrororganisation Kaukasus Emirat zu haben. Die Terrorbande versucht seit 2007 ein islamisches Emirat im südrussischen Nordkaukasus aufzubauen. Gegründet wurde die Organisation vom Tschetschenen Doku Umarov, der sich für Selbstmordanschläge in Moskau 2010 und 2011 verantwortlich zeigte. 2014 kam Umarov ums Leben. Sein Nachfolger Aliaschab Kebekov wurde 2015 bei einem Einsatz der russischen Polizei erschossen.

Nachdem die Führungsriege der Terrorbande Kaukasus Emirat getötet worden war, spaltete sich die Gruppe. Junge Mitglieder wechselten zum Islamischen Staat im Irak und in Syrien (ISIS), der bereits 2014 ein Kalifat ausgerufen hatte. Dass die Brüder Atasoy von den niederländischen Sicherheitsbehörden in die Nähe des Kaukasus Emirats gerückt werden, halten sie für absurd. Sie würden ohne Beweis als Terroristen verdächtigt, so die in Albanien geborenen Niederländer. Solange jedoch die Ermittlungen laufen und die Beweise noch nicht aus der Welt geschafft sind, rät die Stadt Amsterdam Eltern davon ab, ihre Kinder an der Cornelius-Haga-Schule anzumelden. Für mehrere islamische Interessengemeinschaften in den Niederlanden steht aber jetzt schon fest: Die Schulleitung muss gehen. Sie finden es inakzeptabel, wenn Schulen eine „salafistische Gotteslehre“ predigen und mit Terrorbanden in Verbindung gebracht werden.