SICHERHEIT: Betrug beim Einsatz von Spürhunden

Den Haag, TA/VK, 27. November 2019

Laut der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant ist bereits länger bekannt, dass bei der Durchführung von Geruchstests mit Spürhunden häufig Fehler gemacht wurden. Dadurch sollen in den letzten Jahrzehnten hunderte Verdächtigte fehlerhaft als Täter identifiziert worden sein.

Zur Identifikation von mutmaßlichen Tätern wird bei der Polizei häufig ein Geruchstest mit Spürhunden durchgeführt. Dabei muss der Hund den menschlichen Geruch auf einem Beweismittel erschnüffeln und anschlagen. Um den Test korrekt auszuführen, dürfte der Hundeführer eigentlich nicht wissen, welche Geruchsprobe vom vermeintlichen Täter stammt. Trotzdem scheinen die Geruchstests der Polizei nur selten „blind“ ausgeführt worden zu sein. Dadurch sollen Spürhunde zwischen den 1980er Jahren und 2006 mehrere hundert Verdächtige zu Unrecht als Täter identifiziert haben.

Ein gut trainierter Spürhund mache nahezu niemals einen Fehler, sagt die Neurobiologin und Tierverhaltensexpertin Barbara Ferry in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant. Sie führte 2016 eine Studie mit Spürhunden durch, in denen sie rund 18.000 Geruchsproben zuordnen mussten. Lediglich 8 der 18.000 Proben ordnete der Spürhund der falschen Person zu. Wenn eine Geruchsprobe jedoch nicht anonym ausgeführt wird, wodurch der Hundetrainer weiß, welche Probe zum vermeintlichen Täter gehört, dann färbe dieses Wissen durch minimale Änderung der Mimik oder des Verhaltens auf den Hund ab, der dann auch die falsche Probe identifiziert.

Bereits seit längerem sei bekannt, dass manche niederländische Polizeibeamte bei der Ausführung der Geruchsprobe die Vorschriften missachten oder sogar Betrug begehen. Nun geht aus einem alten Bericht jedoch hervor, dass es hier um hunderte Verfahren geht. Das sei viel mehr, als ursprünglich angenommen. Bereits im Jahr 1998 ließ das Wetenschappelijk Onderzoeks- en Documentatiecentrum rund 700 Geruchstests untersuchen. Hier zeigte sich bereits ein deutlicher Unterschied zwischen verschiedenen Polizeiteams und ihren Ergebnissen. Bei einem Team schlug der Hund beispielsweise besonders häufig bei der verdächtigten Person an. Die Ergebnisse dieses Berichts wurden jedoch von den zuständigen Stellen ignoriert.

2006 gaben zwei andere Polizisten aus den östlichen Niederlanden an, dass sie Geruchstests nicht vorschriftmäßig ausgeführt hätten. Daher wurden die Tests für ungültig erklärt. Es folgten hunderte Revisionsanträge. Ein Jahr später wurden sieben Polizeimitarbeiter wegen Betrugs in Zutphen angeklagt. Vier von ihnen wurden zu Sozialstunden verurteilt, da sie diverse Tests und das Prozessprotokoll verfälscht hatten.