UMWELT: Die Niederlande wollen ihre Naturschutzgebiete neu einteilen

Den Haag, TA/NRC, 26. November 2019

Die Niederlande haben mit einer Senkung der Geschwindigkeit auf Autobahnen einen ersten Schritt zur Reduzierung des Stickstoffausstoßes unternommen. Nun müssen jedoch noch weitere Maßnahmen folgen, damit die Situation dauerhaft und nachhaltig gelöst werden kann. Jetzt wollen die Niederlande ihre geschützten Naturgebiete neu einteilen. Allerdings bedürfen sie hier der Zustimmung Brüssels.

„Natura 2000“ ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union. Dieses Netzwerk wurde seit 1992 gemäß der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie allmählich aufgebaut. Die Gebiete, die zu diesem System zugefügt worden sind, wurden von den Mitgliedsstaaten der Union selbst festgelegt, um einen grenzüberschreitenden Schutzraum für bedrohte Tiere und Pflanzen zu errichten und die letzten Flecken Natur innerhalb der EU zu schützen.

Es kommt jedoch immer wieder vor, dass die bestehenden Schutzzonen nicht unangetastet bleiben. Laut der Tageszeitung NRC Handelsblad haben auch die Niederlande bereits öfter um Ausnahmen gebeten. So etwa 2010, als die Leenheerenpolder als Schutzgebiet abgeschafft werden sollten.
Zur Lösung der Stickstofffrage steht in den Niederlanden jetzt die Idee im Raum, die Schutzgebiete neu einzuteilen und so eine Überschreitung der Grenzwerte zu verhindern. Diese Grenzwerte liegen bei 700 bis 1.500 mol Stickstoff, der pro Jahr in den Boden gelangen darf. Durchschnittlich werden die Natura-2000-Gebiete der Niederlande jedoch mit 1.600 mol pro Jahr angereichert. In manchen Gebieten beträgt die Zunahme sogar 4.000 mol. Laut Ministerin Schouten kann die Qualität der kleineren Natura-2000-Gebiete in den Niederlanden „wegen ihrer Größe und Lage strukturell schwach sein und bleiben“. Tatsächlich kann die Qualität von lediglich sechs Naturgebieten in den Niederlanden als „gut“ beschrieben werden. Das geht aus Zahlen hervor, die die Niederlande der Europäischen Kommission zur Verfügung stellten. Als Ursache werde vor allem Stickstoff gesehen. Jeder europäische Mitgliedsstaat habe sich laut Aussage von Anne Schmidt von der Wageningen University dazu verpflichtet, Verschlechterungen der Ökosysteme in Natura-2000-Gebieten zu verhindern oder zu korrigieren. Daher ist der Zustand der niederländischen Schutzgebiete auch wichtig für die Stickstoffproblematik.

Durch eine Umstrukturierung der Schutzgebiete könnte diese Problematik gelöst werden, denn wenn ein Gebiet nicht länger als Schutzraum gilt, fallen auch Grenzwerte weg. Allerdings ist nicht nur Stickstoff für eine Verschlechterung der Naturgebiete verantwortlich. Auch Austrocknung, die in den letzten Jahren auch in den Niederlanden zugenommen hat, trägt ihren Teil hierzu bei.