GESELLSCHAFT: In den Niederlanden streiken die Krankenpfleger

Den Haag, TA/NRC/Volkskrant, 20. November 2019

In den Niederlanden wird zurzeit viel gestreikt. Neben den Landwirten und Lehrern legte nun auch das Krankenhauspersonal die Arbeit nieder, um bessere Arbeitsumstände zu erreichen. Daher wurde am heutigen Mittwoch der erste landesweite Krankenhausstreik der Niederlande durchgeführt. Unter anderem wird weniger Arbeitsdruck und mehr Lohn und Anerkennung für die betroffenen Arbeitnehmer gefordert.

Auf dem Jaarbeursplein in Utrecht fand daher am heutigen Mittwoch um 12 Uhr eine Demonstration von Pflegekräften aus Krankenhäusern statt. Sie war Teil des landesweiten Streiks in den Krankenhäusern. Rund 119 Einrichtungen beteiligten sich hieran. Da die Arbeit nicht komplett niedergelegt werden kann, arbeitet man daher mit einem angepassten Arbeitsplan, sodass immerhin alle Patienten versorgt und Notfälle behandelt werden können.

Als Teil der Demonstration wurde auch eine Schweigeminute gehalten, um auf die Verschlechterung der Arbeitsumstände aufmerksam zu machen. So müsse das Pflegepersonal wegen des vorherrschenden Fachkräftemangels immer mehr Patienten mit immer weniger Personal betreuen.
Laut den Gewerkschaften soll der Lohn der Abreitnehmer um mindestens 5 Prozent pro Jahr steigen, denn nur so könne die Kaufkraft der Betroffenen aufrechterhalten werden. Die Nederlandse Vereniging van Ziekenhuizen (NVZ) machte den Gewerkschaften bereits im vergangenen Monat ein Angebot zur Lohnsteigung, dem zufolge das Gehalt in den kommenden zwei Jahren um jeweils 4 Prozent angehoben werden soll. Außerdem würde jeder Arbeitnehmer eine einmalige Zahlung von 1.000 Euro erhalten. Die Gewerkschaften lehnten das Angebot ab.

Laut der NVZ könne einfach nicht mehr gezahlt werden, da das erforderliche Geld hierzu schlichtweg nicht zur Verfügung stehe. Daher erreichten die Tarifverhandlungen zwischen den beiden Parteien bereits im Juni dieses Jahres einen Tiefpunkt. Seitdem gab es immer wieder zu kleineren Streiks in einzelnen Krankenhäusern. Obwohl Minister Bruno Bruins (VVD) offiziell nicht Teil der Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und NVZ ist, wolle er doch tun, was er könne, um die Situation zu entschärfen, so NVZ-Vorsitzender Ad Melkert vorgestern in der Tageszeitung de Volkskrant. Allerdings sollen sich die Betroffenen nicht die Hoffnung machen, dass sie mehr Geld bekommen können. Da es in anderen Bereichen der Pflege auch gelungen sei, sich zu einigen, müsse das in diesem Fall auch funktionieren. Melkert schob die Schuld wiederum der Politik in die Schuhe, da sie mehr Geld zur Verfügung stellen müsse.

Laut de Volkskrant sei die Situation zwischen den Gewerkschaften und der NVZ sehr angespannt. Hinter den Mikrophonen bezeichne man sich bereits als „total bekloppt“ und als „vom Weg abgekommen“.