GESELLSCHAFT: Am 16. November kommt Sinterklaas nachApeldoorn

Apeldoorn, EF/NRC/NOS/VK, 11. November 2019

In dieser Woche ist es wieder soweit. Am kommenden Samstag, den 16. November, findet die nationale Ankunft von Sinterklaas statt. In diesem Jahr wurde die Stadt Apeldoorn auserkoren, um Sinterklaas zu empfangen. Doch wie in jedem Jahr birgt der Einzug auch in diesem Jahr wieder viele Diskussionen rund um das äußere Erscheinungsbild des Zwarte Piet. Auch werden viele Demonstrationen erwartet.

Bereits im September berichtete NiederlandeNet darüber, dass es in diesem Jahr im national ausgestrahlten Sinterklaasjournal, einer fiktiven Nachrichtensendung für Kinder mit Nachrichten rund um Sinterklaas, keine komplett schwarz geschminkten Zwarte Pieten mehr geben wird. Der niederländische Fernsehsender NTR hat sich dafür entschieden, nur noch sogenannte Ruß-Pieten oder Schornstein-Pieten zu zeigen. In diesem Fall werden die Gesichter nicht mehr vollkommen schwarz geschminkt, sondern lediglich mit Rußflecken versehen, um rassistische Anspielungen zu vermeiden.

Neben der national ausgestrahlten Ankunft von Sinterklaas in den Niederlanden gibt es aber auch viele regionale Ankünfte. Wie auch in den vergangenen Jahren haben die verantwortlichen Gemeinden und Komitees viele Diskussionen über das äußere Erscheinungsbild des Zwarte Piet geführt. Viele Gemeinden wie Eindhoven, Den Haag, Almere oder Groningen nehmen sich den NTR zum Vorbild und werden in diesem Jahr auf komplett schwarz geschminkte Zwarte Pieten (nahezu) verzichten. Sie möchten sich den gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen und den Kindern, die das Sinterklaasjournal verfolgen, ein möglichst ähnliches Bild liefern. Der NTR dient in diesem Fall vielen Gemeinden in der emotionalen Diskussion um den Zwarte Piet als Orientierung.

Obwohl noch immer viele Gemeinden am traditionellen Zwarte Piet festhalten, wird es in diesem Jahr laut der niederländischen Tageszeitung NRC Handelsblad bei rund einem Drittel aller Ankünfte Ruß-Pieten geben. Dies gilt beispielsweise auch für die Gemeinde Tilburg. Hier wird allerdings von einer radikalen Abschaffung des traditionellen Zwarte Piet abgesehen. Von den 150 Pieten, die dort in diesem Jahr zu sehen sind, werden lediglich 25 in der traditionellen Variante auftreten. Erst im nächsten Jahr wird man vollständig auf den Einsatz von Ruß-Pieten umsatteln. „So können sich die Pieten ein wenig daran gewöhnen“, sagt Fernand Palmen von der Tilburger Einzugsorganisation. Der Einzug müsse ihm zufolge für alle Tilburger sein, auch für diejenigen, die den alten Pieten als eine rassistische Karikatur ansehen, heißt es.

Auch in anderen Städten wie in Hilversum möchte man in diesem Jahr mit Ruß-Pieten arbeiten. Dem Bürgermeister dieser Stadt, Pieter Broertjes, zufolge sei der Ruß-Piet eine ultimative Brücke zwischen Tradition und Anpassung. Außerdem möchte er dadurch die Gemüter der Zwarte-Piet-Gegner besänftigen. Immer mehr große, vor allem multikulturelle Städte tendieren inzwischen zu dem Einsatz von Ruß-Pieten. Lediglich Breda ist die einzige größere Stadt, die noch an dem traditionellen Erscheinungsbild festhält. Ansonsten sind es vor allem kleine Städte und Dörfer, die den traditionellen Zwarte Piet befürworten.

Neben den Komitees melden sich aber inzwischen auch die verschiedenen politischen Parteien zu diesem Thema zu Wort. Lange Zeit war dies ein Thema, über das Parteien nicht zu sprechen wagten. Nun aber setzten sich Parteien unter anderem in Schiedam, Vlissingen und Arnhem für die konsequente Abschaffung des traditionellen Zwarte Piet ein. Allerdings führt diese Art der Einmischung auch zu Konflikten. In einigen Städten wie in Middelburg, Assen und Veenendaal verweigern Zwarte-Piet-Vereine ihre Teilnahme am Einzug, sofern sie nicht an ihrem traditionellen Erscheinungsbild festhalten dürfen. In Deventer gingen am 30. Oktober sogar rund hundert Zwarte-Piet-Befürworter auf die Straße, nachdem der Bürgermeister Ron König ankündigte, dass ein Drittel der Pieten Ruß-Pieten sein sollen. Sollte dies nicht der Fall sein, würde er die Subventionen der Sinterklaas-Komitees kürzen.

Auch am kommenden Samstag mit vielen Protestaktionen zu rechnen, bei denen man eine Eskalation nicht ausschließen kann. Die ersten Anzeichen zur Gewaltbereitschaft wurden am Freitagabend sichtbar, als eine Gruppe von traditionellen Zwarte-Piet-Befürwortern während einer Versammlung der Protestgruppe Kick Out Zwarte Piet (KOZP), eine Gruppe von Zwarte-Piet-Gegnern, mehrere Fenster einschlug, Autos zerstörte und ein Feuerwerk entfachte. Nach diesem Angriff fühlt sich die KOZP nach eigenen Aussagen nicht mehr sicher vor den Zwarte-Piet-Befürwortern. „Es wird immer gefährlicher für uns“, sagte Mitchell Esajas, Vorsitzender von KOZP. Nichtsdestotrotz kündigte er an, dass es am Samstag in mindestens zwölf Städten seitens der KOZP zu Demonstrationen kommen werde.