WIRTSCHAFT: Die Niederlande produzieren zu viel Restmüll

Den Haag, EF/VK/NOS, 28. Oktober 2019

Die Menge des in den Niederlanden produzierten Restmülls ist aktuell noch immer viel zu hoch. Die Pläne der Regierung, im kommenden Jahr den Restmüll auf durchschnittlich 100 Kilo pro Niederländer zu reduzieren, liegt aufgrund der heute bekannten Zahlen in weiter Ferne. Der Durchschnitt liegt zur Zeit bei 151 Kilo pro Niederländer. Von allen 355 niederländischen Gemeinden konnten nur 71 den von der Regierung vorgegebenen Restmüllanteil einhalten.

Diese Zahlen gehen aus einer Statistik des Centraal Bureau voor de Statistiek (kurz: CBS) und dem Rijkswaterstaat, einer Behörde es niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Umwelt mit Sitz in Rotterdam, hervor. Mit Abstand am besten schneiden die Gemeinden Reusel-De Mierden und Horst aan de Maas mit 7 bzw. 23 Kilo Restabfall pro Person. Dieser Erfolg ist hauptsächlich auf die Sammelmethode zurückzuführen. In diesen Gemeinden werden der Biomüll, Plastik, Papier und Glas separat abgeholt und landen nicht aus praktischen Gründen im Restmüll. Außerdem bezahlen die Einwohner für die Abholung ihres Mülls keinen Pauschalpreis, sondern werden per Kilo oder aber per Müllsack abgerechnet.

Diese Art der Abfallsammlung ist in den Niederlanden allerdings keinesfalls die Norm. Viele Gemeinden halten an der Abholung des Restmülls gegen einen Pauschalbetrag fest, nehmen ihre Einwohner allerdings in die Pflicht, sich selbst um die Entsorgung von Biomüll, Plastik, Papier und Glas zu kümmern. In dicht bevölkerten, großen Städten mit vielen Hochhäusern gibt es ein anderes praktischen Problem. Aus Platzgründen fehlt die Möglichkeit, diverse Behälter für verschiedene Arten von Abfällen aufzustellen, sodass hiervon viele im Restmüll landen. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern liegt die durchschnittliche Restmüllmenge bei rund 245 Kilo pro Person – in einer Großstadt wie Rotterdam sogar bei 289 Kilo pro Person.

Doch nicht nur in Großstädten, sondern auch in ländlichen Gebieten ist der Restmüllanteil sehr hoch. In Gemeinden, die an der niederländischen Küste bzw. am Wattenmeer liegen, sind die Abfallmengen, so die niederländische Rundfunkanstalt NOS , ebenfalls rekordverdächtig. Hier werde pro Einwohner der meiste Restmüll eingesammelt. Der Grund dafür liegt in der hohen Anzahl an Touristen in Kombination mit der geringen Bevölkerungsdichte. Der von den Touristen im Urlaub produzierte Müll wird statistisch auf die wenigen Einwohner in diesen Gemeinden verteilt, was zu einer großen Restmüllmenge pro Person führt. In anderen ländlichen Gegenden ist der hohe Restmüllanteil auf die Obst- und Gartenabfälle zurückzuführen, die dort vermehrt anfallen und oft je nach Entsorgungsmethode der Gemeinde im Restmüll untergebracht werden.

Jedoch stehen einer alternativen Sammelmethode nicht nur praktische Probleme im Weg, sagt Maarten Allers, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Rijksuniversiteit Groningen. Er ist der Meinung, politischer Widerstand oder die Angst davor bremse alternative Sammelmethoden aus. Gemeinden müssen befürchten, dass die illegale Müllentsorgung zunehme, wenn die Einwohner ihren Abfall pro Kilo oder pro Müllsack bezahlen müssen. Allerdings habe erst eine Gemeinde, die das Bezahlsystem pro Müllsack eingeführt habe, dieses später wieder eingestellt, so der Allers. „Es scheint also hautsächlich die Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser zu sein“, heißt es seitens des Professors.

Darüber hinaus ist die alternative Sammelmethode nicht nur nachhaltiger, sondern auch finanziell von Vorteil. In Gemeinden, in denen die Einwohner pro Müllsack bezahlen, ist die Abfallentsorgung im Durchschnitt sogar noch etwas günstiger. Nichtsdestotrotz sind viele Bürger, obwohl die Statistiken etwas anderen aussagen, der Meinung, Entsorgungskosten pro Kilo oder Müllsack würde für sie zum finanziellen Nachteil ausfallen.

Letztendlich ist die tatsächliche Abfallmenge aber sogar noch höher als der Durchschnittswert, da die Abfälle von Unternehmen oder aber Sperrmüll noch nicht mit in diese Angaben eingerechnet sind. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es bereits Gemeinden gibt, die in der Lage sind, die Richtwerte einzuhalten. Neben der Methode einer erfolgreichen Mülltrennung seitens des Endverbrauchers gibt es auch Gemeinden, die den Müll erst bei der Verarbeitung trennen. Für die Provinzen Groningen und Friesland scheint diese Art der Nachtrennung eine bewährte Strategie zu sein. Welche Methode der Abfallentsorgung zum Tragen kommt, entscheiden die Gemeinden, so das CBS, selbst.