GESELLSCHAFT: Mobbing von LGBT-Personen an niederländischen Schulen

Almere, TA/VK/NRC, 15. Oktober 2019

Die Niederlande gelten bei vielen Deutschen als Paradebeispiel für Toleranz und Akzeptanz. Trotzdem gibt es natürlich auch hier gesellschaftliche Spannungen und Intoleranz gegenüber (sexuellen) Minderheiten – und das bereits unter Schülern. In einer Schule in Almere wollte eine Gruppe von Schülern den internationalen Coming-Out-Day feiern. Das ganze endete damit, dass die Polizei eingeschaltet wurde. Das scheint kein Einzelfall zu sein.

Die sogenannte Gender & Sexuality Alliance, die aus einer Schülergruppe des Trinitas Gymnasiums in Almere besteht, wollte am vergangenen Freitag den internationalen Coming-Out-Day feiern und somit ein Zeichen für die Akzeptanz aller sexuellen Orientierungen an ihrer Schule setzen. Nachdem aufgehängte Poster jedoch wieder spurlos verschwanden, bekam die Schülergruppe der Gender & Sexuality Alliance homophobe Nachrichten zugeschickt. Obwohl die Leitung des Gymnasiums als Reaktion hierauf die Polizei kontaktierte, wurden aus den Beleidigungen allmählich Drohungen, bis schließlich mehrere Eltern betroffener Schüler selbst die Polizei riefen. Diese machte keine Angaben über den Inhalt der Drohungen, sagte jedoch, dass diese gegen die Schule gerichtet gewesen seien und die Täter schnell ausfindig gemacht werden konnten. Sechs Schüler bekamen eine „Auszeit“. Es wird jedoch vermutet, dass eine noch größere Gruppe von Schülern hinter den Drohungen und Nachrichten steckte.

Damit scheint das Trinitas Gymnasium in Almere jedoch kein Einzelfall in den Niederlanden zu sein. Eine Studie der Columbia University in New York und LGBT-Schüler im vergangenen Jahr aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beschimpft und ausgeschlossen wurden. Ein Fünftel aller Schüler wurde sogar mit Gewalt konfrontiert.

Frühere Forschungen zeigen deutlich, dass die psychische Gesundheit von LGBT-Schülern in Schulen, in denen sie seitens der Leitung und Lehrer unterstützt werden, besser ist als in Schulen, in denen das nicht der Fall ist. Gabriël van Beusekom, Forscher des Sociaal en Cultureel Planbureaus, bestätigt diese Beobachtungen. Ihm zufolge würde ein positives Schulklima mit einer Null-Toleranz-Regel gegenüber Mobbing und Hänseleien dafür sorgen, dass sich alle Schüler sicherer fühlen. Das gilt nicht nur – aber im Besonderen – für LGBT-Jugendliche.

Seit 2012 muss im Unterricht niederländischer Schulen das Thema der LGBT-Akzeptanz „respektvoll“ behandelt und angesprochen werden. „80 Prozent aller Schulen zufolge passiert das auch […]. Laut Schülern geschieht das aber in nur 20 Prozent aller Schulen.“, so Geert-Jan Edenbosch, Projektleiter beim COC. Die Wahrheit werde höchstwahrscheinlich irgendwo zwischen diesen beiden Angaben liegen, das ändere aber natürlich nichts daran, dass dieses Thema in allen Schulen angesprochen werden muss.

Als Zeichen gegen ein negatives Schulklima und Mobbing wird am kommenden Freitag an 900 Schulen in den Niederlanden der sogenannte Violette Freitag (ndl. Paarse Vrijdag) begannen. An diesem - 2010 in den USA und Kanada entstandenem - Tag werden Lehrer und Schüler violette Kleidung tragen, um so ihre Toleranz und Unterstützung gegenüber LGBT-Personen zu zeigen. Auch im Trinitas Gymnasium in Almere wollen die Schüler diesen Tag ausführlich feiern, um für mehr Akzeptanz einzustehen.