WIRTSCHAFT: Eine Studie des SCP zeigt: Inklusion spielt in der Personalpolitik eine untergeordnete Rolle

Den Haag, EF/NRC/NOS/VK, 09. Oktober 2019

Laut einer Studie des niederländischen Sociaal en Cultureel Planbureau (kurz: SCP) scheinen Arbeitgeber nur wenig Wert auf eine integrative Personalpolitik zu legen. Zwar geben rund 70 Prozent der Arbeitgeber an, sich unter anderem für Menschen mit Behinderungen verantwortlich zu fühlen, aber nur 11 Prozent planen tatsächlich, in den nächsten zwei Jahren jemanden mit einer Behinderung einzustellen. 44 Prozent der befragten Arbeitgeber ziehen die Einstellung einer Person mit Einschränkungen in Erwägung. Ähnliches gilt für Einstellungen von älteren Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund.

Obwohl die Arbeitgeber im Allgemeinen immer wieder betonen, dass sie eine inklusive Personalpolitik für wichtig halten, ergreifen sie nur wenige Maßnahmen, um ihr Vorhaben auch in die Tat umzusetzen. Dies ging aus einem Bericht des SCP über die Personalkonstellation auf dem aktuellen Arbeitsmarkt hervor. Niederländische Arbeitgeber wurden zu ihrer Einstellung bezüglich des Umgangs mit potentiellen, schwer zu vermittelnden Arbeitnehmern in den letzten zwei Jahren befragt. Insgesamt 70 Prozent der befragten Arbeitgeber gaben dabei an, dass die Anstellung von Menschen mit Behinderungen, Menschen mit einem nicht-westlichen Migrationshintergrund, älteren Menschen und Menschen mit einer geringen beruflichen Qualifikation bei ihnen eine hohe Priorität einnehme. Laut dem SCP scheinen die befragten Arbeitgeber einer integrativen Personalpolitik jedoch nur wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

Normalerweise werde der Personalpolitik, wenn es dem Unternehmen wirtschaftlich gut geht, in der Regel mehr Aufmerksamkeit geschenkt, so die Soziologin Patricia van Echtelt. Dann seien Arbeitgeber eher bereit, Menschen mit Migrationshintergrund oder aber Menschen mit Einschränkungen zu beschäftigen. Diese Entwicklung sei aktuell aber nicht so stark sichtbar, so Van Echtelt.

Die befragten Arbeitgeber begründen diese große Kluft zwischen Aussage und Umsetzung damit, dass innerhalb des Unternehmens keine geeigneten Arbeitsplätze zur Verfügung stünden, oder aber, dass man nicht über genügend Kapazität verfüge, diese Menschen angemessen einzuarbeiten, heißt es in dem Bericht des SCP.

Viele niederländische Unternehmen seien darüber hinaus nicht mit den (Subventions-)Regelungen vertraut, die man bei einer Einstellung eines gehandicapten Menschen geltend machen kann. So weiß beispielsweise nur die Hälfte aller befragten Arbeitgeber, dass sie in diesem Fall nur einen Teil der Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen oder unter Umständen sogar ganz von dieser Zahlungspflicht befreit werden können. Außerdem gibt es risikofreie Regelungen, die finanziell für Menschen mit Behinderungen aufkommen, sollten diese erkranken oder aber arbeitsunfähig werden. Die Anzahl der Unternehmen, die es tatsächlich in Erwägung ziehen, eine Person mit Einschränkungen einzustellen, liegt unter 50 Prozent.

Darüber hinaus gab jeder siebte Arbeitgeber bei der Befragung an, dass es wichtig sei, auch Menschen mit einem nicht-westlichen Migrationshintergrund einzustellen. Diese Priorität scheint zunächst nicht sehr hoch zu sein. Nichtsdestotrotz ist der Anteil der Arbeitnehmer mit nicht-westlichem Migrationshintergrund in den letzten zwei Jahren auf inzwischen 13 Prozent angestiegen. Betrachtet man die Führungsebenen, so ist der Prozentsatz mit rund 4 Prozent deutlich niedriger.

Parallel zu dem Bericht des SCP erschien heute in der niederländischen Tageszeitung de Volkskrant ein Artikel, der sich mit der Diskriminierung eben dieser Gruppe beschäftigt. Die niederländische Staatssekretärin für soziale Angelegenheiten Tamara van Ark (VVD) veröffentlichte Anfang dieses Jahres einen Bericht, der sich mit der Diskriminierung von Niederländern mit Migrationshintergrund auseinandersetzt. Für viele Zeitarbeitsfirmen scheint der Migrationshintergrund mancher Bewerber ein Ausschlusskriterium zu sein. In Zukunft, so hieß es in einem Gesetzesentwurf von Van Ark, droht Arbeitgebern, die Bewerber aus diesen Gründen ablehnen, eine Geldstrafe in Höhe von 4.500 Euro pro Einzelfall. Ein konkreter Zusammenhang zwischen diesem Gesetzesentwurf und dem Bericht des SCP kann allerdings nicht hergestellt werden.

Weitere Personen, die zu den schwer zu vermittelnden Menschen gehören, sind die über 55-Jährigen. Aber auch diese Anzahl ist in den vergangen Jahren gestiegen. Noch vor 15 Jahren machte ihr Anteil in den Unternehmen rund 8 Prozent aus. Heute sind es 17 Prozent. Diese Entwicklung ist laut des SCP-Berichts auf die Erhöhung des Renteneintrittsalters zurückzuführen, das inzwischen nicht mehr bei 65 Jahren, sondern bei 67 Jahren liegt. Insgesamt geben 40 Prozent der Arbeitgeber an, dass die Einstellung von Menschen höheren Alters für sie von hoher Wichtigkeit sei. Obwohl der Anteil der über 55-Jährigen und der Anteil der Menschen mit nicht-westlichem Migrationshintergrund leicht gestiegen ist, kann man, so Van Echtelt, nicht von einem signifikanten Aufwärtstrend sprechen.

Ungeachtet der personellen Zusammenstellung gaben rund 60 Prozent der Arbeitgeber an, in den vergangenen zwei Jahren Schwierigkeiten bei der Suche nach geeignetem Personal gehabt zu haben. Weiterhin geht aus dem Bericht des SCP hervor, dass Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen eher bemüht sind, inklusive Personalpolitik zu betreiben, als Unternehmen aus dem privaten Sektor. Darüber hinaus betreibt jedes fünfte Unternehmen eine Personalpolitik, mit der eine Entlassung der Arbeitnehmer möglichst vermieden werden soll. Zu diesen Unternehmen zählen vor allem Bildungseinrichtungen und staatliche Einrichtungen. Aber nicht nur die Art des Unternehmens spielt eine Rolle. „Uns ist besonders aufgefallen, dass die Größe der Organisation von Bedeutung ist. Wenn man 2.000 Mitarbeiter hat, ist es einfacher, Inklusion in die Personalpolitik mit einzubeziehen, als wenn man neun Mitarbeiter hat“, so Van Echtelt.