KLIMA: Steigender Meeresspiegel erfordert tiefgreifende Veränderung der Niederlande

Den Haag, TA/NRC/Deltacommissaris, 02. Oktober 2019

Als Folge des Klimawandels, und dem hieraus resultierenden Abschmelzen der Polkappen, wird der Meeresspiegel in Zukunft immer weiter ansteigen. Die Niederlande, die berühmt dafür sind, dass sie zu großen Teilen unterhalb des Meeresspiegels liegen, werden sich durch tiefgreifende Veränderungen hieran anpassen müssen. Ein Bericht des Forschungsinstituts Deltares und der Planungsbehörde für Umwelt kundschaftet verschiedene Möglichkeiten aus, wie sich die Niederlande an den steigenden Meeresspiegel anpassen könnten.

Für den Bericht haben die zuständigen Personen 180 verschiedene Pläne gesammelt und ausgewertet. Hierdurch konnten sie die verschiedenen roten Fäden der jeweiligen Pläne und Modelle herausarbeiten und sie dementsprechend in vier große Kategorien einteilen. Jede dieser Kategorien an Lösungen würde umgreifende Veränderungen der Niederlande fordern. Dabei reichen die Lösungen von Migration der Niederländer bis hin zu neuen Inseln, die als Hochwasserschutz dienen sollen. Der Bericht geht dabei von einer Steigung des Meeresspiegels von 2 bis 4 Metern in einem nicht näher definierten zeitlichen Rahmen aus.

Zwei der im Bericht genannten Kategorien basieren auf dem Ausbau bereits vorhandener Strukturen. Hier werden Deiche an Küsten und Flüssen weiter verstärkt, erhöht und verbreitert. Der entscheidende Punkt ist die Verbindung der Flüsse zur See: Während sie bei Kategorie 1 bestehen bleibt, werden die Niederlande bei Kategorie 2 durch Schleusen komplett vom Meer abgeschlossen. Hier müssten riesige Pumpanalgen das Wasser aus den Flüssen ins Meer befördern. Auch bräuchte man hier riesige Überlaufbecken, falls die Flüsse temporär mehr Wasser führen als gewöhnlich.

Das Hauptziel der dritten Kategorie ist Hochwasserschutz durch Landgewinnung. Hier könnten beispielsweise neue Inseln vor der Küste angelegt werden, die mit dem Festland und untereinander verbunden sind und so wie ein riesiges, natürliches Deltawerk fungieren. Dadurch würden die Niederlande ihre Küstenlinie buchstäblich weiter ins Meer verlegen und neues Land zum Wohnen, Transport, Energiegewinnung (Sonnen- oder Windkraft) etc. gewinnen. Inseln, die nicht miteinander verbunden sind, können auch Wellenbrecher sein und dadurch die Küstenlinie des Festlandes schützen. Für diese Optionen sind jedoch enorme Mengen Sand und Zeit nötig, damit sie durchgeführt werden könnten.

In der letzten Kategorie stehen Pläne zentral, die sich mit der Anpassung von Häusern, Städten und der Landwirtschaft an den steigenden Meeresspiegel beschäftigen. Häuser könnten beispielsweise zukünftig auf Pfählen gebaut werden, damit das Wasser unter ihnen hindurchströmen kann. Auch könnte auf Warften gebaut werden, die bei Hochwasser zu Inseln werden und somit die Bewohner vor dem Wasser schützen. Teile der Niederlande könnten temporär oder endgültig an das Meer zurückgegeben werden. Letztendlich stellt auch die Migration ganzer Städte auf höher gelegenes Terrain eine Möglichkeit dar.

Laut des Berichts sollte in der Praxis eine Kombination dieser verschiedenen Lösungen gewählt werden. Das Tempo und die Höhe des Anstiegs sind ihm zufolge allerdings noch nicht sicher einzuschätzen. Deutlich ist durch Messungen von Wissenschaftlern jedoch, dass der Meeresspiegel beträchtlich steigen wird. Das IPCC, der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen, geht bei einer Zunahme der Treibhausgasemission von einem Anstieg von 84 Zentimetern bis Ende des Jahrhunderts aus. Allerdings könnte der Anstieg laut IPCC auch deutlich höher ausfallen. Selbst ein Anstieg um 2 Meter bis zum Jahr 2100 wird nicht als unwahrscheinlich betrachtet. Das würde bedeuten, dass die Niederlande möglicherweise weniger Zeit haben als gedacht, um sich zu schützen. Selbst die berühmten Deltawerke schützen laut dem NRC Handelsblad nur vor einem Anstieg des Meeresspiegels um 40 Zentimeter.