Kommission rät: Kulturelles Erbe der Niederlande muss besser beschützt werden

Den Haag, TA/NRC/NOS/Trouw, 01. Oktober 2019

Wertvolle Kunstwerke und anderes kulturelles Erbe aus den Niederlanden seien nicht gut genug gegen den Verkauf ins Ausland geschützt, urteilt eine unabhängige Kommission unter Leitung von Alexander Pechthold. Die Regierung müsse aktiver dafür sorgen, dass auch jene Kulturgüter, das sich in Privatbesitz befindet, in den Niederlanden verbleiben. Anlass für die Äußerungen der Kommission war der Verkauf einer Zeichnung von Peter Paul Ruben, die nicht auf der Liste der geschützten Kulturgüter stand.

Die Zeichnung Rubens stammte aus dem 17. Jahrhundert und zeigte eine Aktstudie der verstorbenen Prinzessin Christina, Schwester der ehemaligen Königin und derzeitigen Prinzessin Beatrix. Da die Kreidezeichnung nicht zu den rund 700 Objekten gehörte, die auf der bereits genannten Liste der beschützten Kulturgüter stand, konnte sie – trotz großen Interesses niederländischer Museen – auf einer Auktion des Auktionshauses Sotheby’s für ungefähr 7 Millionen Euro an einen ausländischen Sammler verkauft werden.

Laut der Kommission müsse die zuständige Ministerin für Kultur, Van Engelshoven (D66), aktiver von ihrer Befugnis Gebrauch machen, Objekte auf die Liste der geschützten Kulturgüter zu setzen und damit ihren Verbleib in den Niederlanden zu sichern. Die jeweiligen Güter dürfen, wenn sie erst einmal auf der Liste stehen, nur noch mit Zustimmung der Ministerin das Land verlassen. Das ist im sogenannten Erfgoedwet (deutsch „Kulturerbegesetz“) geregelt, das 2015 verabschiedet wurde.

Kritisiert wurde auch, dass Van Engelshoven die Meinung vertrete, dass die Liste bereits vollständig genug sei, denn das sei laut der Kommission niemals der Fall. Die Liste weise große Lücken auf und müsse immer wieder aktualisiert und vervollständigt werden, da sich kulturelles Erbe immer weiterentwickelt. „[…] Es stehen keine Rietveld-Skizzen auf der Liste, keine Fotografien. Und warum Drehorgeln, aber nicht das erste Auto der Niederlande?“, stellte Pechthold zur Diskussion. Man müsse seine Geschichte immer wieder mit einem frischen, unbefangenen Blick betrachten: „Nicht nur zu Zeiten Rembrandts und Van Goghs, auch im Jetzt wird in den Niederlanden Spitzenkunst gemacht. Die Geschichte ist niemals fertig und die Werke aus der Gegenwart und Zukunft sind es wert, geschützt zu werden.“

Neben der Vervollständigung dieser Liste müsse die Regierung auch dafür sorgen, dass im Nationalen Ankauffond immer genügend Geld zur Verfügung stehe, um Kunstwerke oder sonstige Kulturgüter zu erwerben. Ein Ankauf ist die sicherste Methode, um Kulturgüter in den Niederlanden zu halten. Auch rät die Kommission zur Aufstellung einer unabhängigen, beratenden Kommission aus Sachkundigen, die Ministerin Van Engelshoven zu Seite stehen soll.