BILDUNG: Lehrermangel kostet die Schulen viel Geld

Den Haag, TA/NRC/VK/NOS, 25. September 2019

Im niederländischen Bildungssystem gibt es einen deutlichen Mangel an Lehrkräften. Daher ist es mittlerweile nicht ungewöhnlich, dass in Grund- und Förderschulen regelmäßig Lehrer über Zeitarbeitsfirmen und Arbeitsvermittler kurzfristig angestellt werden. Eine Umfrage unter 586 Schuldirektoren ergab nun, dass rund die Hälfte von ihnen ein gesetzliches Verbot solcher Zeitarbeit im Lehrerberuf begrüßen würde. Diese Anstellungsform sei vor allem eine Verschwendung öffentlicher Gelder.

Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant arbeitete für die genannte Umfrage mit dem Allgemeinen Zusammenschluss Schulleiter zusammen. Durch den Lehrermangel, der sich vor allem an Grund- und Förderschulen deutlich zeigt, seien viele Schulen gezwungen, Arbeitsvermittler zu beauftragen, damit zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden können. Immer häufiger werden nicht nur die Stellen von erkrankten festangestellten Lehrern durch Lehrkräfte aus Arbeitsvermittlungen gefüllt, auch freie Stellen werden aus einem Mangel an Alternativen immer häufiger auf diese Art besetzt. Das schlägt vor allem finanziell zu Buche. „Ein Stellvertreter für vier Monate kostet mich […] 20 Tausend Euro mehr als jemand, den ich selber anwerbe“, erzählt Nicolette Schipper, stellvertretende Direktorin einer Schule in Eenhoorn. Ihrer Meinung nach müsste kommerzielle Arbeitsvermittlung im Schulsektor verboten werden, da zu viele Gelder auf diese Art verloren gingen.

Mittlerweile ist von einigen Schulverwaltungen bereits ein Boykott von Zeitarbeitsfirmen und Arbeitsvermittlern verkündet worden. So beispielsweise von acht Amsterdamer Schulverwaltungen, die zusammen für 125 Grundschulen zuständig sind. Ein Sprecher des niederländischen Bildungsministeriums teilte der Volkskrant mit, dass ein solches Verbot schwer durchzusetzen ist. Auch Minister Arie Slob spricht sich eher für Absprachen unter Schulleitern als für ein gesetzliches Verbot aus.

Der Leiter der Zeitarbeitsfirma Dit is Wijs weist die Kritik der Schulleiter allerdings zurück. Zwar seien ihre Lehrer teurer als fest angestellte Lehrkräfte an den Schulen, gleichzeitig spare man durch den Einsatz von solchen Arbeitsvermittlungen aber auch Verwaltungskosten, was wiederum positiv sei.

Letztendlich stellt das kurzfristige Einstellen von Vertretungslehrern natürlich auch keine dauerhafte Lösung für den Lehrermangel dar. Am diesjährigen Prinsjesdag kündigte das Kabinett Rutte an, dass im kommenden Jahr mehr Geld in Bildung investiert werden soll: „Der Beruf des Grundschullehrers macht das Kabinett durch höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen attraktiver. Mittlerweile ist ein neuer Tarifvertrag abgeschlossen worden […]. Darüber hinaus wird das Kabinett die Arbeitsbelastung im Grundschulunterricht durch 430 Millionen Euro verringern. Mit diesem Geld dürfen Grundschulen selbst bestimmen, wie sie die Arbeitsbelastung am besten lindern verringern können.“