POLITIK: Die neue Stickstoffregelung in den Niederlanden gefährdet die Formel 1 in Zandvoort

Zandvoort. EF/NRC/VK/NOS, 23. September 2019

Im Mai dieses Jahres stellte der niederländische Staatsrat fest, dass die aktuelle Stickstoffpolitik gegen die Richtlinien des europäischen Naturschutzgesetzes verstoße, da der immense Stickstoffüberschuss die Artenvielfalt in Naturschutzgebieten beeinträchtige. Infolgedessen sind nun nicht nur rund 18.000 Projekte, darunter auch große Infrastrukturprojekte, gefährdet. Auch die Durchführung des Formel-1-Rennens in Zandvoort im kommenden Jahr wird nun vielfach diskutiert. Um das Problem des übermäßigen Stickstoffausschusses zu lösen, wurde ein Beratungsausschuss unter der Leitung des ehemaligen Ministers Johan Remkes zusammengestellt, der sich nun zu diesem Thema berät.


Obwohl das erste Formel-1-Rennen in Zandvoort erst in sieben Monaten stattfinden soll, befindet sich dieses Thema bereits in aller Munde. Die Bauarbeiten für den Großen Preis von Holland haben gerade erst begonnen und schon melden sich Natur- und Umweltorganisationen zu Wort und versuchen, den Fortgang der Bauarbeiten an der Rennstrecke zu unterbinden. Doch nicht nur Naturschützer sprechen sich gegen ein derartiges Bauvorhaben innerhalb eines Naturschutzgebietes aus. Auch für Anwohner und Campingplatzbesucher, die sich in der direkten Nähe der Rennstrecke befinden, kann es im folgenden Jahr zu Unannehmlichkeiten kommen.

Ein weiterer Punkt, der die Durchführung dieses prestigeträchtigen Sportprojekts, das nach 35 Jahren wieder in die Küstenstadt zurückkehrt, beeinträchtigen könnte, sind die neuen Regelungen zur Reduzierung des übermäßigen Stickstoffs. Diese könnten dem Grand Prix ebenfalls den Garaus machen. Diesbezüglich meldete sich am Sonntag der Minister für Gesundheit und Sport Bruno Bruins (VVD) in der niederländischen Fernsehsendung WNL zu Wort. Ihm zufolge werde die Regierung alles daran setzen, dass der Formel-1-Wettbewerb in Zandvoort im folgenden Jahr trotz der neuen Stickstoffverordnung stattfinden werde. Laut dem Minister herrsche aktuell Unsicherheit unter den Organisatoren des Motorsportereignisses. Es müssen noch verschiedene Genehmigungen beantragt und erteilt werden. Das Formel-1-Rennen am 3. Mai 2020, so Bruins, dürfe aber nicht dem neuen Stickstoffbeschluss zum Opfer fallen.

Wie genau diese Regelung zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes aussehen wird, steht bislang noch nicht fest. Als Reaktion auf die zu hohe Stickstoffbelastung stellte die Regierung zuvor einen Beraterausschuss unter der Leitung des ehemaligen Ministers Johan Remkes zusammen, mit dem Ziel, die Regierung bei Maßnahmen, die es zu treffen gilt, zu unterstützen. Um möglichst viel Stickstoff einzusparen, so die niederländische Tageszeitung Algemeen Dagblad am Samstag, sei eine Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit auf Straßen und Autobahnen sowie ein Abbau von Viehbeständen in der Landwirtschaft geplant. Hier sehe man die besten Möglichkeiten, um CO2 zu sparen, da allein 40 Prozent des Ausstoßes auf die Landwirtschaft entfallen. Doch bereits vor Veröffentlichung der neuen Regelungen stoßen diese Ideen bereits auf Widerstand. Der LTO, ein Interessensverband der Landwirte, ließ bereits verlauten, dass ein massiver Abbau der Viehbestände nicht verhandelbar sei.

Ein genaueres Bild über die geplanten Maßnahmen zur CO2-Reduktion wird man sich am Mittwoch machen können. Dann wird der Bericht des Beratungsausschusses unter der Leitung von Remkes veröffentlicht.