GESELLSCHAFT: Beim Sinterklaas-Einzug wird es zum ersten Mal nur noch "Ruß-Pieten" geben

Apeldoorn. EF/NRC/VK, 18. September 2019

Die Diskussion rund um die Figur des Zwarte Piet erhitzt in den letzten Jahren immer wieder die Gemüter. Viele Menschen sind der Ansicht, dass es sich bei der konventionellen Darstellung des Knechts von Sinterklaas mit den roten Lippen, der Afro-Frisur, den goldenen Ohrringen und vor allem der schwarz geschminkten Haut um eine rassistische Tradition handelt. Im Rahmen dieser Diskussion wird bei der national ausgestrahlten Ankunft von Sinterklaas, die in diesem Jahr in der niederländischen Gemeinde Apeldoorn stattfindet, zum ersten Mal gänzlich auf Pieten mit komplett schwarz geschminkten Gesichtern verzichtet. Dies gilt ebenfalls für das Sinterklaasjournaal.

Der nationale Einzug von Sinterklaas, der dieses Jahr am 16. November stattfinden wird, rückt immer näher. Und auch in diesem Jahr ist die Gesichtsfarbe des Zwarte Piet ein Diskussionsthema. Nachdem man sich in den vergangenen Jahren immer mehr von den komplett schwarz geschminkten Gesichtern distanziert hat, möchte man in diesem Jahr ganz auf sie verzichten, meldete der niederländische Fernsehsender NTR am Dienstag. An ihre Stelle treten nun Ruß-Pieten, die statt mit schwarzer Gesichtsbemalung lediglich mit Rußflecken versehen sind. Dies gilt ebenfalls für das Sinterklaasjournaal, einer fiktiven Nachrichtensendung des NTR für Kinder, die fünf Tage vor der Ankunft von Sinterklaas beginnt und über Neuigkeiten rund um Sinterklaas berichtet.
Diese Ruß-Pieten treten allerdings nicht zum ersten Mal in Erscheinung. Bereits 2014 machte der Sender NTR von dem Einsatz dieser Darstellung Gebrauch und begann damit, die traditionelle Figur des Zwarte Piet schrittweise abzubauen. Ein Pressesprecher des NTR sagte, dass man über die Entscheidung, auf den konventionellen Zwarte Piet zu verzichten, nicht lange diskutiert habe. Dieser Schritt sei das Ergebnis einer stetigen Entwicklung, die mehrere Jahre gedauert habe. Für den Sender sei der gänzliche Verzicht nun ein logischer Schritt.

Diese Entscheidung wurde zuvor mit der Gemeinde Apeldoorn abgesprochen, da der Sender zwar für die Rahmenhandlung des jeweiligen Einzugs und die TV-Ausstrahlung verantwortlich ist, die Organisation des Einzugs aber allein der Gemeinde obliegt. Ein Jahr zuvor erklärte der Sender NTR, dass er sich nicht aktiv an der Diskussion bezüglich des Zwarte Piet beteilige. Es handele sich bei dem NTR um einen unabhängigen Sender, der lediglich die sozialen Entwicklungen in seinen Ausstrahlungen wiederspiegele. Zwar gibt es immer noch viele Befürworter, die sich für die traditionelle Darstellung des Zwarte Piet aussprechen, diese Gruppe wird jedoch immer kleiner. Noch 2013 haben sich 89 Prozent der niederländischen Bevölkerung für ein gänzlich schwarz geschminktes Gesicht ausgesprochen. 2017 waren es noch lediglich 68 Prozent und betrachtet man die Gruppe der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 25, so waren bereits 50 Prozent davon der Meinung, man müsse die Gesichtsfarbe des Zwarte Piet anpassen.

Die Gemeinde verdeutlichte in einer Erklärung, dass es ihnen nicht schwer gefallen sei, dem Vorhaben des NTR zuzustimmen, da man in den vergangenen Jahren in Apeldoorn eine ähnliche Entwicklung bezüglich des Aussehens des Zwarte Piet beobachten konnte. Um zu vermeiden, dass sich doch traditionell schwarz geschminkte Pieten unter die anderen Pieten mischen, wird das Schminken von dem TV-Sender überwacht. „In früheren Jahren bekam eine immer geringer werdende Anzahl an Helfern die Möglichkeit, sich komplett schwarz schminken zu lassen. Das ist nun nicht mehr der Fall.“

Der Verzicht auf den traditionellen Zwarte Piet ist für viele Menschen ein großer Erfolg. „Heute ist ein schöner, historischer Tag“, so der Aktivist Jerry Afriyie, Leiter der Organisation Kick Out Zwarte Piet gegenüber der niederländischen Tageszeitung NRC. „Dies ist ein Sieg für alle Menschen, die ein Fest anstreben, an dem alle Kinder gleichermaßen Freude haben. Wir wollen, dass die Tradition noch tausende von Jahren andauert, aber zeitgemäß.“ Afriyie kündigte an, dass er in diesem Jahr bei dem Einzug von Sinterklaas nicht demonstrieren werde. Er werde dort demonstrieren, wo man noch nicht auf den konventionellen Zwarte Piet verzichte. „Überall, wo der Zwarte Piet erscheint, werden wir uns Gehör verschaffen.“

In den vergangenen Jahren bot der national ausgestrahlte Einzug von Sinterklaas sowohl für die Gegner als auch für die Befürworter großes Potential für Demonstrationen. So haben Befürworter des traditionellen Zwarte Piet im Jahr 2017 eine Autobahn in Friesland blockiert, um drei Busse mit Zwarte-Piet-Gegnern davon abzuhalten, bei dem Einzug in Dokkum zu demonstrieren. Im Folgejahr verlief zwar der nationale Einzug ruhig, an verschiedenen anderen Orten kam es aber zu diversen Auseinandersetzungen. So nahm man in Eindhoven mehrere Befürworter fest, die rassistische Parolen von sich gaben und ihre Gegner mit Bier und Eiern bewarfen.

Doch nicht nur der überregionale Einzug von Sinterklaas bietet Demonstranten eine Angriffsfläche. Auch das Sinterklaasjournaal rückte immer wieder in den Fokus diverser Diskussionen. Grund dafür ist unter anderem die Hohe Einschaltquote von rund einer Million Zuschauern. Hinzu kommt, dass die Geschichten und die Rahmenhandlung, die in dieser Sendung des NTR dargeboten werden, von Schulen und Gemeinden aufgegriffen wurden. Und diese Diskussion blieb nicht ohne Folgen. 2016 beendete der Schauspieler Erik van Muiswinkel, der seit 1998 jedes Jahr in die Rolle des Hoofdpiet schlüpfte, sein Engagement, da der NTR zu der Zeit noch an der traditionellen Erscheinung des Zwarte Piet festhielt. Nun, da sich der Sender dazu entschlossen hat, sich von den schwarz geschminkten Gesichtern zu distanzieren, kommt es erneut zu Veränderungen innerhalb der Besetzung. Der Schauspieler Maarten Wansink, der seit 2001 im Sinterklaasjournaal die Rolle des Huispiet verkörpert und zu den letzten Pieten gehört, die sich das Gesicht komplett schwarz haben schminken lassen, wird sein Engagement in diesem Jahr niederlegen. Er selbst möchte über den Grund seines Rücktritts nicht sprechen. Ein Pressesprecher des NTR ließ jedoch verlauten, dass Maarten beschlossen habe, aufzuhören, weil ihm die vom Sender eingeleitete Entwicklung zu schnell voranschreite.