TOURISMUS: Bericht zum Tourismus in den Niederlanden veröffentlicht

Den Haag, TA/VK/NRC/Rli, 11. September 2019

Tourismus ist in den Niederlanden Fluch und Segen zugleich. In seinem Bericht Waardevol toerisme konkludiert der Rat für Umwelt und Infrastruktur, dass die Regierung mehr investieren müsse um die Niederlande als Wohnort lebenswert zu halten. Obwohl die Besucherzahlen in den letzten Jahren stark gestiegen sind, ist das Interesse der niederländischen Politik für dieses Feld eher gering.

In den letzten Jahren sind die Niederlande als Tourismusziel immer beleibter geworden. Die Zahl der Besucher ist in den vergangenen zehn Jahren um 50 Prozent gestiegen und wird noch weiter zunehmen. Mittlerweile ist der Tourismus auch für die Wirtschaft der Niederlande sehr wichtig und sorgte im vergangenen Jahr für 761.000 Arbeitsplätze. Im Tourismus wird genau so viel verdient wie im Baugewerbe, und doppelt so viel wie in der Landwirtschaft. Rund 30 Milliarden Euro steuert der Tourismus zur niederländischen Wirtschaft bei.

Gleichzeitig haben viele Orte in den Niederlanden schon die Schattenseiten des intensiven Tourismus kennen lernen müssen. Das bekannteste Beispiel, über das auch bereits mehrmals von NiederlandeNet berichtet wurde, ist das Zentrum von Amsterdam. Auch in der Stadt Giethoorn werden die Bewohner immer wieder von Touristen gestört, die regelmäßig Häuser betreten, da sie die ganze Stadt für ein Museum halten. In der Veluwe und im Nationalpark De Biesbosch schadet die hohe Anzahl an Wanderern der Natur. In vielen Orten seien die negativen Effekte mittlerweile so groß, dass die Unterstützung des Tourismus durch die Bewohner abnehme und gleichzeitig die Attraktivität des Reiseziels für Besucher verringert werde, so der Bericht.

Trotz der allseits bekannten Probleme und der gleichzeitigen Relevanz des Tourismus für die Niederlande ist der Einsatz der Politik relativ gering, so der Rat für Umwelt und Infrastruktur. Vor allem die Provinzen und die jeweiligen Gemeinden selbst machen Tourismuspolitik, der niederländische Staat hält sich aber im Hintergrund. Häufig begrenze sich die Tourismuspolitik, die gemacht werde, allerdings auch auf das Bewerben von Reisezielen und dem Aufstellen von Regeln und Maßnahmen, wenn eine Region oder Stadt durch die Bewerbung touristisch überlaufen wird. Diese Vorgehensweise müsse sich laut dem Bericht grundlegend ändern.

Laut Marjolein Demmers von Rat für Umwelt und Infrastruktur ist Tourismus nicht zu einhundert Prozent kontrollierbar, es gebe jedoch gewisse Maßnahmen, um ihn zu lenken. Die Menge an Übernachtungen könne durch eine Beschränkung für Hotels oder Airbnbs begrenzt werden. Der öffentliche Nahverkehr und der Zugang zu Attraktionen könnte durch das Drehen an der Preisschraube teurer gemacht werden. Letztendlich kann man auch versuchen, Tourismusströme über das ganze Land zu verteilen. Dadurch wird verhindert, dass sich eine große Zahl an Touristen auf wenige Orte beschränkt.