POLITIK: PvdA will Basisstipendium für Studierende zurück

Den Haag, TA/VK/NRC/AD, 04. September 2019

Die heutige Form des Studienkredites für niederländische Studierende wird nach der Neuverteilung der Sitze nach der nächsten Wahl der Zweiten Kammer in zwei Jahren wahrscheinlich umstrukturiert werden. Nachdem diese Form der Studienfinanzierung in Form eines Kredites, der vollständig zurückbezahlt werden muss, bei seiner Einführung 2015 noch von vielen Parteien unterstützt wurde, plädiert nun die PvdA – einst einer der stärksten Vertreter dieses Systems – für ein komplettierendes Stipendium.

Am gestrigen Dienstag verkündete Lodewijk Asscher, Fraktionsvorsitzender der Partij van de Arbeid, in der Tageszeitung Algemeen Dagblad, dass er für eine Wiedereinführung eines Grund- oder Basisstipendiums für Studierende sei. Damit sprach sich mittlerweile die Mehrheit der Zweiten Kammer für eine Abschaffung der heutigen Studienfinanzierung aus. Zurzeit ist das Basisstipendium nur für Studierende erhältlich, deren Eltern kein oder nur ein sehr geringes Einkommen haben. Asscher will die bestehenden Kriterien jedoch ändern, sodass das Basisstipendium (zurzeit 396,39 Euro pro Monat) für jeden Studierenden erhältlich ist, dessen Eltern ein Einkommen von weniger als 100.000 Euro im Jahr haben.

Die PvdA galt eigentlich als geistiger Vater des derzeitigen Studienfinanzierungssystems. Aufgrund des hohen Leistungsdrucks der Studierenden habe sich die Partei, laut Asscher, nun aber zu einer Kehrtwende entschieden. Vor allem für Studierende, deren Eltern ökonomisch weniger gut aufgestellt sind, bedeuten die Studienschulden eine enorme Belastung und können den Start ins Berufsleben sogar behindern. Ursprünglich wurde das Basisstipendium 1986 eingeführt, um Studierende unabhängiger von elterlicher Unterstützung zu machen. Damals bekamen die Eltern von Studierenden einen erhöhten Kindegeldbetrag ausgezahlt, der das Basisstipendium umfasste.

Mit seiner Kehrtwende stellt sich Asscher nun an die Seite der CDA und der ChristenUnie, die von Anfang an gegen eine Änderung des Finanzierungssystems waren. Zuvor änderten auch GroenLinks seine Meinung und sprach sich gegen das jetzige System aus. Mittlerweile stehen also nur noch die D66 und die VVD hinter dem Kreditsystem. Ingrid van Engelshoven, Ministerin für Bildung, kündigte an, das jetzige System untersuchen zu wollen. Falls es tatsächlich so eine „große Behinderung“ sei wie angenommen, werde man nach möglichen Modifikationen suchen.

Unklar ist noch, wie die hohen Kosten eines potentiellen Basisstipendiums gedeckt werden können. Durch die Abschaffung des alten Systems hatte der niederländische Staat rund 1 Million Euro zusätzlich zur Verfügung – pro Jahr. Die PvdA schätzt, dass für die neue Form des Systems rund 700 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich gebraucht würden.

Falls sich das System der Studienfinanzierung erneut ändern wird, dann haben bereits mehrere Generationen von Studierenden durch das Kreditsystem Schulden aufnehmen müssen. Für diese Gruppe müsse laut Segers (ChristenUnie) eine geeignete Möglichkeit zur Kompensation dieser Schulden gefunden werden, damit sie nicht benachteiligt werden. Auch darüber wird die Zweite Kammer in Den Haag noch eingehend diskutieren müssen.