BILDUNG: Proteste bei der Eröffnung des akademischen Jahres

Leiden, TA/VK/NRC, 03. September 2019

Eigentlich ist die sogenannte Eröffnung des Akademischen Jahres ein festlicher Moment, allerdings war der gestrige Tag vor allem durch Konflikte zwischen protestierenden Hochschuldozenten und Ministerin Van Engelshoven gekennzeichnet. Grund hierfür war der Plan, Geld für die geisteswissenschaftlichen Fächer zu kürzen und den dadurch gewonnenen Betrag den technischen Studiengängen zukommen zu lassen.

Während die Ministerin in der Pieterskerk in Leiden eine Rede hielt, hatten sich wenige hundert Meter weiter Protestanten versammelt, um gegen die Ministerin und die Kürzungspläne zu demonstrieren. Die sogenannte Ware Opening (dt. Wahre Eröffnung) wurde unter anderem durch die Initiative WOinActie organisiert.

Viele der Demonstranten waren Hochschuldozenten aus den betroffenen Studiengängen. Aber auch aus den durch die neuen Etatpläne begünstigten Fächern waren Dozenten anwesend. Arne Smeets, Mathematikdozent an der Universität Nimwegen sagte, dass er das „Blutgeld“ der Ministerin nicht brauche. Es sei nicht mehr zeitgemäß, die Wissenschaft in die klassischen fünf Säulen einzuteilen. Heutzutage müsse man vielmehr die Grenzen der Fachgebiete überwinden und interdisziplinär arbeiten. Darum sei es wichtig, dass der Politik der Ministerin nicht zugestimmt werde. Auch Peter Hoitinga, Biologiepromovent an der Reichsuniversität Groningen, würde von den neuen Plänen profitieren. Trotzdem demonstrierte auch er am gestrigen Montag: „Ich stehe hier aus Solidarität mit meinen Kollegen, aber auch ein bisschen aus Eigeninteresse. Wenn bald der Wind aus einer anderen Richtung weht, sind wir an der Reihe. Es ist wichtig zu betonen, dass die Universität mehr ist als ein Ausbildungsinstrument für die Wirtschaft.“

Durch die Änderung der Etatpläne wollte das Kabinett die immer weiter wachsenden technischen Studiengänge an den Universitäten unterstützen, ohne zusätzliches Geld investieren zu müssen. Durch den Kabinettbeschluss sehen viele Menschen ihre Vermutung bestätigt, dass die Politik technische Studien als wichtiger erachtet als Geisteswissenschaften. Mehrere Universitäten, darunter die UvA und die Universität Utrecht, haben bereits verkünden lassen, dass sie dem Kabinettsbeschluss nicht folgen werden. Theoretisch ist der Beschluss des Kabinetts nicht bindend, allerdings müssen die Universitäten die Finanzierung dann selbst stemmen.

In einem Interview mit dem NRC Handelsblad verteidigte Van Engelshoven die Finanzierungspläne des Kabinetts. Auf die Aussage, dass die Universitäten und Den Haag in den letzten anderthalb Jahren auseinander gedriftet sein, antwortet sie, dass die Wissenschaft und das Ministerium früher immer sehr ein Herz und eine Seele waren, weil das die damals vorherrschende Stimmung war. Sie sei allerdings nicht hier, um lieb und nett zu sein. Es gebe eine Reihe von Dingen, an denen wirklich etwas geändert werden müsse.