UMWELT: Grüne Bushaltestellendächer sind ein Hit

Utrecht, TA/Volkskrant, 16. August 2019

Seit April dieses Jahres gibt es in der niederländischen Stadt Utrecht die ersten Bushaltestellen mit begrünten Dächern. Das scheint eigentlich recht trivial zu sein, dennoch erweisen sich die Haltestellen als grüner Sommerhit des Jahres 2019. Diverse Städte auf der ganzen Welt haben wegen der Haltestellen bereits Kontakt mit der Stadtverwaltung von Utrecht aufgenommen.

Unter anderem die ARD, USA Today und die BBC haben bereits über die Utrechter Haltestellen berichtet. Darüber hinaus hat die Gemeindeverwaltung Anfragen aus Italien, der Schweiz, Ungarn, Kanada und Indien. Sogar das Topmodel Doutzen Kroes lud laut der Volkskrant ein Bild einer Haltestelle auf ihr Instagramprofil hoch.

300 der Haltestellen gibt es bereits in Utrecht. Dabei scheint das, was sie als Besonders auszeichnet, eigentlich recht banal zu sein: Die Bushaltestellen verfügen über ein begrüntes Dach, auf dem auf einer dünnen Erdschicht verschiedene trockenresistente Arten der Gattung Sedum wachsen, im deutschen auch als Mauerpfeffer oder Fetthenne bekannt. Solche grünen Dächer werden typischerweise auf Flachdächern von Wohn- oder Nutzbauten angelegt und verhindern das Aufheizung der Dachfläche bei Sonneneinstrahlung. Dadurch können die Dächer später keine Wärmestrahlung abgeben und es entstehen keine städtischen Wärmeinseln.

Dank der Ansiedlung von pflegeleichten Gewächsen, die normalerweise auf Trockenrasen oder in Felsspalten wachsen, müssen die Dächer der Bushaltestellen nicht zusätzlich bewässert werden. Sogar die Hitzewellen Anfang dieses Sommers haben die Dächer problemlos überstanden. Die Bushaltestellen kosten der Stadt darüber hinaus keinen einzigen Cent, da die Werbeagentur, deren Werbeposter in den Haltestellen hängen, sich um die Kosten und den Unterhalt kümmert.

Aber haben solche grünen Dächer tatsächlich einen positiven Effekt auf ihre Umgebung? Verschiedenen wissenschaftliche Studien haben bereits gezeigt, dass begrünte Dächer tatsächlich die Temperatur von Wohnräumen und der Umgebung senken können. Da das Dach jeder Haltestelle sechs Quadratmeter misst, hat die Stadt Utrecht bereits fast 2.000 Quadratmeter an Grünfläche zurückgewonnen. Diese begrünten Flächen filtern Feinstaub und speichern bei Regen Wasser, so Maurice Prijs von der Gemeinde Utrecht.

Jos Brouwers von der Technischen Universität Eindhoven bestätigt diese positiven Effekte von begrünten Dächern. Weltweit seien die daher im Kommen. Wie groß allerdings die Auswirkungen auf die Luftqualität genau ist, muss in Studien noch ermittelt werden. Puk van Meegeren von Milieu Centraal glaubt, dass die Effekten der Bushaltestellen geringer seien als beispielsweise von einem Park mit großen Bäumen.
Trotzdem lassen sich die bereits erwiesenen positiven Auswirkungen nicht leugnen. Die grünen Bushaltestellendächer sind vor allem ein guter Anfang und ein Beispiel dafür, wie bereits auf kleinem Raum etwas für bessere Lebensqualität in den Städten getan werden kann.