GESELLSCHAFT: E-Roller weiterhin nicht zugelassen

Amsterdam, TA/NRC/Volkskrant/Tagesschau, 13. August 2019

Seit dem 15. Juni 2019 sind E-Roller im deutschen Straßenverkehr offiziell zugelassen. Jede Person ab 14 Jahren darf die bis zu 20km/h schnellen Geräte, auch ohne Führerschein, benutzen. In den Niederlanden sind die kleinen Elektrofahrzeuge im Vergleich zu vielen anderen europäischen Ländern noch nicht zugelassen.

In den Niederlanden werden E-Roller – ebenso wie elektrische Skateboards – als „besonderes Moped“ klassifiziert. Da sie jedoch keinen Sitz oder Steuer haben, die für ein Moped vorgeschrieben sind, sind die Roller größtenteils verboten und dürfen aus Sicherheitsgründen nicht am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Die Gemeinde Breda wollte zwar laut Angaben der Volkskrant vor kurzem eine Testphase mit E-Rollern starten, bekam hierfür von Minister Nieuwenhuizen (Verkehr und Infrastruktur) keine Genehmigung.

Laut Frank Hesen, Eigentümer eines Ladens, der E-Roller anbietet, müssten die Fahrzeuge eigentlich rechtlich als Fahrräder betrachtet werden, wie beispielsweise auch E-Bikes, die sich ebenfalls seit längerem wachsender Popularität erfreuen. Bei ihm herrscht wie bei vielen Niederländern Unverständnis darüber, dass die kleinen, elektrobetriebenen Geräte nicht zugelassen sind. Vor allem die Besitzer eines solchen Transportmittels sehen Vorteile in der neuen Mobilitätsform. So könne man etwa einfach und schnell die Strecke zum nächsten Bahnhof überwinden. Dadurch ergänzten die Geräte unter anderem den öffentlichen Nahverkehr.

Mit der Diskussion um die elektrischen Tretroller befinden sich die Niederlande somit an einem Punkt, an dem sich auch die Bundesrepublik Deutschland vor einigen Monaten befunden hat. Auch hier durften E-Roller zuvor nur benutzt werden, wenn sie alle Sicherheitsvorgaben für Mopeds erfüllten. Dazu gehörten unter anderem auch ein Sitz und Rückspiegel. Aufgrund des starken Aufkommens der Roller hat der Bundesrat im Mai dieses Jahrs einer Elektrokleinstfahrzeugeverordnung zugestimmt, sodass zukünftig geänderte Vorgaben gelten. In anderen Ländern, wie etwa Schweden, werden die Roller bei der Erfüllung bestimmter Kriterien als Fahrräder klassifiziert – wie es auch in den Niederlanden teilweise gefordert wird.

Peter van der Knaap, Direktor der Stiftung Wissenschaftliche Forschung Verkehrssicherheit, meint, dass die Zurückhaltung der niederländischen Regierung zu diesem Thema ein versteckter Segen sein könnte. Er sieht durchaus die Vorteile solcher Fahrzeuge, jedoch geschehen auch viele Unfälle mit ihnen. Daher wolle er lieber abwarten und aus den Erfahrungen anderer europäischer Städte oder Länder lernen.