BILDUNG: Haga-Schule darf selbst keine neuen Klassenzimmer bauen

Amsterdam, TA/NRC, 31. Juli 2019

Das Cornelius Haga Lyceum war in den letzten Monaten wiederholt Thema in den niederländischen Medien. Nachdem der Verdacht geäußert wurde, dass es islamistische Tendenzen in der Schule gebe und kurz darauf von Veruntreuung von Geldern gesprochen wurde, gab es nun eine Klage der muslimisch ausgerichteten, weiterführenden Schule, die sich vergrößern und neue Klassenzimmer bauen wollte. Gleichzeitig wollte aber auch die Gemeinde Amsterdam eigene Baupläne umsetzen.

Für die rund 129 neuen Schüler, die im kommenden Jahr an die Haga-Schule kommen werden, wollte die Schule neue Klassenzimmer errichten. Im Prinzip liegt die „bouwheerschap“ hierfür bei der Schule selbst. Es gibt jedoch auch rechtlich gesehen die Möglichkeit, dass die Stadt Amsterdam den Bau neuer Klassenzimmer übernimmt. Nachdem die Schulleitung jedoch Pläne für den geplanten Anbau bei der Stadt eingereicht hatte, schienen diese Vorgaben laut der Gemeinde nicht ausreichend zu sein. Daher entschied sich die Stadt Amsterdam, ihre eigenen Baupläne umsetzen zu wollen.
Es entstand also ein Streit über die Frage, bei wem das Recht und die Pflicht liegen, neue Klassenzimmer für das Cornelius Haga Lyceum zu bauen. Daher entschied sich die Schulleitung zu einer Klage.

Am gestrigen Dienstag wurde das Urteil des Richters bekannt gegeben: Die Haga-Schule darf nicht auf eigene Faust neue Klassenzimmer bauen. Außerdem sei ein von Amsterdam abgelehnter Finanzierungsantrag rechtmäßig nicht angenommen worden, so das Gericht. Der Antrag basiere auf nicht mehr aktuellen Daten und einer veralteten Prognose über steigende Schülerzahlen. Auch habe die Schule keinen ausgearbeiteten Bauplan eingereicht.

Welche Auswirkungen das Urteil nun für die Schüler haben wird, kann noch nicht abgesehen werden. Die Gemeinde Amsterdam wollte sich Zeit nehmen, um das weitere Vorgehen zu planen. Man habe immer noch die Absicht, eine geeignete Unterbringung für die Schüler bereitzustellen, wie genau das jedoch realisiert werde, stehe noch nicht fest.

Schulleiter Atasoy kündigte unterdessen an, seine Pläne für den Neubau trotzdem weiter verfolgen zu wollen: „Die Gemeinde darf ohne unsere Zustimmung und Bewilligung nicht bauen, tut das aber trotzdem. Also werden wir das auch tun.“ Falls diese Aussagen in Taten umgesetzt werden, würde das bedeuten, dass an zwei Stellen auf dem Schulgelände Baumaßnahmen durchgeführt werden. Das führte bereits zuvor zu Problemen, da die Bauarbeiter der Schule den Bauunternehmer der Stadt Amsterdam „körperlich und verbal“ an der Arbeit gehindert haben und durch ihn verrichtete Arbeiten rückgängig gemacht haben sollen.

Damit hat der Streit zwischen der Stadt und dem Cornelius Haga Lyceum wieder einen Höhepunkt erreicht und steht stellvertretend für die verhärteten Fronten beider Parteien: Obwohl sowohl Stadt als auch Schule Baumaßnahmen realisiert sehen wollen, kommt es zu keiner Absprache zwischen ihnen.