GESELLSCHAFT: Preise für Wohnungen steigen weniger stark als zuvor

Amsterdam, TA/NRC, 30. Juli 2019

In niederländischen Großstädten steigen die Wohnungspreise seit Jahren. Mit einer Verteuerung von 7,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr war dieser Anstieg jedoch deutlich geringer als die letzten zwei Jahre – und beinah der geringste Anstieg seit fünf Jahren.

In Utrecht stiegen die Preise mit 9,7 Prozent in den Niederlanden am stärksten und auch in Rotterdam und Den Haag kosteten Wohnungen in diesem Jahr mindestens 9 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Lediglich im Amsterdam lag der Anstieg mit 6,9 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt.

Die Ursache für diesen geringen Anstieg sehen Sachverständige entweder in ökonomischen Faktoren, in einem gewissen Pessimismus der Wohnungskäufer oder in einem geänderten Verhältnis zwischen teuren und günstigeren Wohnungen. Philip Bokeloh, Wohnungsmarktexperte von ABN Amro, vermutet, dass sich vor allem die Einstellung und Sichtweise des Konsumenten auf den Wohnungsmarkt geändert habe. Der Erwerb eines Hauses sei eine sehr frustrierende Angelegenheit geworden. Vor allem ältere Häuser die in naher Zukunft noch renoviert werden müssen, sind in den Augen potentieller Käufer keine gute Investierung. Dabei sind rund 60 Prozent der Häuser auf dem niederländischen Wohnungsmarkt vor 1980 gebaut worden.

Überraschend ist, dass die Niederlande gleichzeitig mit Wohnungsmangel zu kämpfen haben. Laut eines Berichts des Ministeriums für Inneres wollen 9 Prozent der Niederländer „auf jeden Fall“ und 23 Prozent „vielleicht umziehen“. Damit würden den Niederlanden rund 279.000 Wohnungen fehlen.
Dank des sinkenden Preisanstieges bezahlen Käufer in Amsterdam in den ersten drei Monaten dieses Jahres durchschnittlich 434.000 Euro, während man ein Jahr zuvor noch 454.000 Euro zahlte. Der Rekord in der niederländischen Hauptstadt lag bei rund 475.000 Euro im letzten Sommer.