MOBILITÄT: Chaos auf Schiphol – Tankstörung legt Flughafen lahm

Schiphol, SF/NOS/NRC/VK, 25. Juli 2019

Etwa um 13 Uhr begann die Misere: Aircraft Fuel Supply, das Unternehmen, das den Flughafen Schiphol mit Kraftstoff versorgt, meldete eine Störung im Tanksystem. Durch die Störung mussten 300 Flüge annulliert werden. Oder anders ausgedrückt: 10.000 Passagiere mussten am Boden bleiben. Was die Störung ausgelöst hat, ist bislang unklar.

Schiphol ist wie eine Uhr“, diese Metapher wählt ein Pressemitarbeiter des größten Flughafens der Niederlande, um den Ernst der Lage wiederzugeben. „Alle Rädchen gemeinsam sorgen für einen runden Ablauf“, führt er weiter aus. Nun aber hat sich etwas im Schiphol-Uhrwerk verfangen, das die Zahnräder durcheinander bringt, und zwar eine Störung im Tanksystem. Etwa 300 Flugzeuge konnten deshalb nicht abheben. Zwar hieß es um 21 Uhr, dass die Störung behoben sei, allerdings bleiben die Auswirkungen für den weiteren Flughafenbetrieb nicht aus. Auch heute sollen noch weitere Flüge ausfallen.

Die 10.000 Passagiere, die von den Annullierungen betroffen waren, mussten sich in Geduld üben. „Zum Glück konnten einige Flüge heute Nacht starten und die Fluggäste konnten losreisen“, so ein Schiphol-Pressesprecher zum Rundfunk NOS. Für einige Reisende ein Quantum Trost, dennoch musste der Großteil der 1.300 Passagiere, die bereits die Sicherheitskontrolle durchquert hatten, ihre Nacht am Flughafen-Gate verbringen. Das Niederländische Rote Kreutz hatte Feldbetten zum Übernachten aufgestellt. Alle anderen Fluggäste mussten entweder im Hotel einchecken, wieder nach Hause fahren oder sich ein ruhiges Plätzchen auf Schiphol suchen.

Der Flughafenbetreiber empfiehlt den Reisenden, Kontakt mit ihrer Fluggesellschaft aufzunehmen. Das Bodenpersonal sei darüber hinaus damit beschäftigt, die Flüge womöglich umzubuchen. Allerdings: „Die meisten Flüge sind durch die Urlaubssaison ausgebucht“, heißt es aus der Presseabteilung. Die gestrandeten Urlauber sind indessen sauer auf die Kommunikationspolitik von Schiphol, wie beim NOS zu sehen ist. Sie beschweren sich darüber, dass der Flughafen keinerlei Informationen an sie durchgebe. Auch gäbe es von den Fluggesellschaften kaum Bemühungen, die Krise zu bewältigen, so scheint es zumindest. „Keine Feldbetten, keine Getränke, uns wurde nichts angeboten“, beklagt eine Urlauberin im NOS-Interview.

Woran die Tankstörung gelegen haben könnte, wird jetzt ermittelt. Mit der Hitzewelle, die aktuell über die Niederlande fegt, habe der Kerosinmangel jedoch nichts zu tun, das stehe bereits fest. Gestern zeigten die Thermometer in Eindhoven 39,3°C an – die höchste je in den Niederlanden gemessene Temperatur. Die Tageszeitung de Volkskrant nimmt den Hitzerekord mit Humor: „Wo bleiben der Champagner und der Autokorso?“, titelt die Zeitung. Auf Schiphol ist ebenfalls der Humor der gestrandeten Fluggäste gefragt. Der Flughafen ist zwar klimatisiert, aber die Hitze wird der Laune der Reisenden nicht gerade zuträglich sein.