GESUNDHEIT: Gebären bitte im nächsten Krankenhaus!

Lelystad, TA/NRC, 24. Juli 2019

Seit Beginn letzten Jahres hat die Anzahl an niederländischen Krankenhäusern, die eine Station für Geburtshilfe haben, abgenommen. Die Ursache hierfür lässt sich im Personalmangel der betroffenen Häuser finden, die Stationen schließen mussten. Für Schwangere bedeutet diese Veränderungen vor allem eine längere Fahrtzeit zur nächsten Entbindungsstation.

Im örtlichen Krankenhaus von Lelystad kann Frauen seit Oktober letzten Jahres keine Geburtshilfe mehr geleistet werden. Den Schwangeren wird daher in Vor- oder Kontrolluntersuchungen geraten, rechtzeitig eine Möglichkeit zu finden, um beim Einsetzen der Wehen in das Krankenhaus von Almere zu gelangen. Damit ist das Krankenhaus von Lelystad kein Einzelfall. Das Staatliche Institut für Volksgesundheit und Umwelt zählte 75 „Stationen für akute Geburtshilfe“ in den Niederlanden. Das sind fünf Stationen weniger als noch Anfang 2018.

Der Grund für diese Reduzierung ist jedoch nicht, dass immer weniger Frauen schwanger werden und Geburtshilfe benötigen. Stattdessen ist Personalmangel in den betroffenen Krankenhäusern hierfür verantwortlich. Bruno Bruins, Minister für Volksgesundheit, nennt den Erhalt einer Abteilung für Geburtshilfe „äußerst wichtig“. Das äußerte er zumindest während einer Debatte in der Zweiten Kammer im Oktober letzten Jahres. Daher ließ er auch errechnen, wie die Geburtshilfe in Lelystad erhalten werden könnte. Es zeigte sich jedoch, dass selbst ein staatlicher Zuschuss von vier Millionen Euro nicht ausreichen würde, um die durch den Personalmangel verursachten Kosten auszugleichen.

Die Tatsache, dass in Krankenhaus in Lelystad keine Kinder geboren werden können, hat vor allem für Personen im Osten der Provinz Flevoland negative Folgen. Frauen aus der Gemeinde Urk – die älteste Gemeinde der Provinz – müssen zur Entbindung nun mindestens 50 Minuten zum nächstgelegenen Krankenhaus anreisen.

Die Schließung dieser Station ist häufig das Resultat von Fusionen verschiedener Krankenhäuser. Die Leitung entscheidet sich nach solch einer Fusion meistens, Entbindungsstationen an nur einem Standort anzubieten. Das spare Geld und sei effizient. Schwangeren bleibt daher meistens nur die Wahl zwischen einer langen Anreise oder einer Hausgeburt – die in vielen Fällen zwar glimpflich verlaufen kann, bei Komplikationen jedoch für Mutter und Kind gefährlich ist.

Allerdings sei die Fusion verschiedener Abteilungen nicht nur eine negative Entwicklung, so die Krankenhäuser. Man könne durch das Zusammenlegen der Stationen effizienter und einfacher in die verbleibenden Stationen investieren. So seien dort 24 Stunden am Tag Spezialisten - wie etwa ein Gynäkologe, Kinderarzt und Anästhesist - vor Ort. Dadurch soll sogar die längere Fahrzeit ausgeglichen werden können. Laut Mensing van Charante, Gynäkologe im Krankenhaus von Dijkland, sei die Umstellung für die Patienten nur eine Frage der Gewöhnung. Wer immer ein Krankenhaus vor der Tür gehabt habe, der sehe in den Neuerungen natürlich etwas Negatives.