GESELLSCHAFT: Immer mehr Ertrunkene in den Niederlanden

Den Haag, TA/NRC, 23. Juli 2019

Auch die Niederlande werden von den aktuell heißen Temperaturen geplagt. Der eine oder andere kühlt sich daher gerne im Wasser ab, um einen kühlen Kopf zu bewahren. Dabei kann so ein sommerliches Bad auch risikoreich und gefährlich sein. In den Niederlanden ist letzten Monat ein junger Mann zwischen hunderten anderen Schwimmern in einem Spaßbad ertrunken. Und er ist kein trauriger Einzelfall: In den letzten zwei Jahren sind ungewöhnlich viele Personen in den Niederlanden ertrunken, so das Centraalbureau voor de Statistiek in einer neuen Studie.

Im letzten Jahr ertranken 112 in den Niederlanden wohnende Personen. Das sind ganze 27 Menschen mehr als noch im Jahr 2017 und das erste Mal seit 16 Jahren, dass mehr als 100 Personen durch Ertrinken zu Tode gekommen sind. Dabei ist auffallend, dass vor allem immer mehr Erwachsene ertrinken, bei Kindern oder Jugendlichen unter 20 Jahren ist kein Anstieg zu verzeichnen.

Laut Sander Zeilstra, Sprecher des Seenotrettungsdienstes, ist dieser signifikante Anstieg vor allem durch das anhaltende heiße Wetter zu erklären. Viele Menschen hätten versucht, sich am und im Wasser abzukühlen. Da die Hitzewelle so lange dauerte, suchten sie nach immer neuen Orten, um dort schwimmen zu gehen. Dabei sind die Betroffenen vor allem auf dem offenen Wasser ums Leben gekommen, da das Schwimmen in Seen, Flüssen, Teichen oder Kanälen besonders risikoreich ist. In solchen Gewässern kann sich die Wassertemperatur innerhalb eines Teilstückes oft ändern, wobei es durch das plötzlich kalte Wasser zu Krämpfen kommen kann.

Neben den warmen Temperaturen macht der Seenotrettungsdienst aber noch einen anderen Faktor für die vielen Schwimmunfälle verantwortlich: Die Schwimmkünste der Niederländer verschlechterten sich zunehmend. Zwar „planschen“ viele Niederländer bei heißem Wetter gerne, die wenigsten „schwimmen“ jedoch im eigentlichen Sinne und ziehen beispielsweise Bahnen. Man verlernt schlichtweg, sich sicher „schwimmend“ fortzubewegen. Daher rät Zeilstra Kindern, nicht nur das A-Diploma, das grundlegendste niederländische Schwimmabzeichen, zu machen, sondern auch das B- und das C-Diploma.

Betrachtet man die Statistik der letzten fünf Jahre, fällt vor allem auf, dass im Verhältnis Niederländer mit einem sogenannten „nicht-westlichen“ Hintergrund häufiger ertrinken als jene mit einem „westlichen“ Hintergrund. 21 Prozent der Ertrunkenen haben einen „nicht-westlichen“ Hintergrund, während nur 12,8 Prozent aller Niederländer keinen „westlichen“ Hintergrund haben. Es ertranken in den letzten fünf Jahren auch 120 Personen, die nicht in den Niederlanden wohnhaft sind. Die größte Gruppe unter ihnen bilden Deutsche (33 Prozent).

Als Reaktion auf die steigende Zahl an Ertrunkenen hat man in den letzten Jahren versucht, diese häufig betroffenen Gruppen zu warnen. Die oberste Straßen- und Wasserbaubehörde und der Seenotrettungsdienst haben Poster mit Gefahrwarnungen und Tipps auf Niederländisch, Arabisch, Deutsch und Polnisch über soziale Medien, in Asylbewerberheimen und in Supermärkten verbreitet.

Zeilstra bestätigt, dass Ertrinken auch unbemerkt und geräuschlos geschehen kann. Das widerspricht dem gängigen Bild eines nach Hilfe rufenden und erst dann untergehenden Menschen, wie man es aus den Medien kennt. „Menschen schreien häufig nicht. Es kann so wirken, als probierten sie im Wasser nach oben zu klettern.“ Auch der 19-Jährige, der letzten Monat im Spaßbad in Noord-Brabant ertrank, wurde von den hunderten ihn umgebenen Menschen nicht bemerkt. Auch die vier aufsichtführenden Mitarbeiter des Bades bemerkten den Körper des Mannes erst, als es zu spät war.