POLITIK: 5 Jahre nach Absturz von Flug MH17

Den Haag, TA/NOS/VK/Tagesschau, 17. Juli 2019

Vor fünf Jahren, am 17. Juli um 15:20 Uhr niederländischer Ortszeit, stürzte ein Flugzeug von Malaysia Airlines über der Ostukraine ab. Alle 298 Passagiere kamen dabei um – darunter 196 niederländische Staatsbürger. Die Maschine wurde von einer russischen Rakete getroffen – vermutlich, weil das Flugzeug für eine Militärmaschine der ukrainischen Luftwaffe gehalten wurde. Mittlerweile werden vier Personen strafrechtlich verfolgt.

Vor rund einem Monat hat ein internationales Ermittlungsteam vier Personen bekannt gegeben, die am Absturz des Fluges MH17 beteiligt seien. Bei den vier Männern handelt es sich um drei russische und einen ukrainischen Staatsbürger. Nach § 289 des Strafgesetzbuches werden sie unter anderem des Mordes an 298 Personen beschuldigt. Dass die Zivilmaschine wahrscheinlich verwechselt und daher versehentlich niedergeschossen wurde, werde die Anklage in diesem Fall nicht abmildern, da auch der Abschuss einer ukrainischen Frachtmaschine, die das eigentliche Ziel gewesen sei, Mord gewesen wäre. Am 9. März nächsten Jahres soll der erste Prozesstag im Gericht Schiphol stattfinden. Es wird jedoch nicht damit gerechnet, dass die vier angeklagten auch tatsächlich beim Prozess erscheinen werden. Sowohl Russland als auch die Ukraine liefern eigene Staatsbürger nicht aus. Zwei der Männer haben bereits ausgesagt, mit dem Absturz der Maschine nichts zu tun zu haben und daher nicht kooperieren zu wollen.

Russland weigerte sich laut dem internationalen Ermittlerteam außerdem, auf „einfach zu beantwortende Fragen“ zu reagieren, so beispielsweise auf die Frage, wo sich das mobile, für den Absturz verantwortliche Luftabwehrsystem „am und um den 17. Juli 2014“ befunden habe. Auch auf die Frage, ob einer der Verdächtigten damals für die russische Regierung arbeitete, bekam das Ermittlerteam keine Antwort. Mittlerweile ist der Transport des BUK-Luftabwehrsystems von Russland in die Ostukraine jedoch fast lückenlos rekonstruiert worden. Laut einer kremlkritischen Zeitung liegen außerdem Informationen vor, dass kurz vor dem Absturz russische Streitkräfte an die ukrainische Grenze verlegt worden seien. Trotz der schwerwiegenden Beweise kritisiert Russland die Ermittlungen, nennt diese zu einseitig und verweist auf alternative Szenarien: So sei die Ukraine verantwortlich für den Abschuss der Maschine gewesen.

Der Erfolg des Ermittlerteams sei laut dem NRC Handelsblad auch der Hartnäckigkeit der Hinterbliebenen zu verdanken, deren Angehörige im Unglück umkamen. Auch den fünfzig Ermittlungsbeamten, die unter anderem forensisches Material, Satellitenbilder und Telefongespräche untersuchten und auswerteten, müsse gedankt werden.

Anlässlich des fünfjährigen Jahrestages des Unglücks ist das Thema in den niederländischen Medien wieder sehr präsent. Fotoserien der Unglücksstelle und Berichte und Geschichten von Angehörigen sind omnipräsent und spiegeln die Emotionalität vieler Niederländer in Bezug auf dieses Thema wider.