POLITIK: Will Minister Grapperhaus Festivals verbieten?

Den Haag, TA/NOS/VK/Telegraaf, 16. Juli 2019

Der niederländische Justizminister Grapperhaus will in seinem Kampf gegen Drogen einen kritischen Blick auf Musikfestivals in den Niederlanden werfen. Das gab er zumindest in einem Interview mit der Zeitung De Telegraaf an. Auf niederländischen Musikfestivals werden regelmäßig Drogen wie Kokain oder Pillen konsumiert. Minister Grapperhaus warnte in dem bereits genannten Interview mit De Telegraaf Drogenkonsumenten, dass sie eine enorme kriminelle Industrie unterstützen würden.

Grapperhaus legt die Verantwortung also in die Hände der Festivalbesucher. Wird er allerdings auch selbst etwas unternehmen, um den Konsum von Pillen und Kokain einzuschränken? Laut eigener Aussage ist Grapperhaus derzeit damit beschäftigt, die niederländische Polizei zu verstärken. Gleichzeitig soll die Generalstaatsanwaltschaft im Kampf gegen Drogenproduktion finanziell unterstützt werden.

Obwohl Grapperhaus also die Polizei stärken will, soll die Zahl von Polizisten auf den 1100 niederländischen Musikfestivals nicht erhöht werden. Grapperhaus schließt aber eine Verringerung der stattfindenden Festivals nicht aus. Außerdem will er durch Gespräche mit den Verantwortlichen der Festivals neue Regeln für den Umgang mit Drogen erarbeiten, sodass der Drogenkonsum auf Musikveranstaltungen zukünftig so gering wie möglich sein wird.
Die bestehenden Regeln legen bisher fest, dass Besucher, bei denen bei der Einlasskontrolle Drogen gefunden werden, das Festivalgelände nicht mehr betreten dürfen. Werden Drogen auf dem Festivalgelände selbst gefunden, werden die Drogen bei einer geringen Menge beschlagnahmt. Bei einer größeren Menge an Drogen werden die Besitzer unter Polizeigewahrsam gestellt.

Die Reaktionen auf Grapperhaus‘ Äußerungen reichen von Kritik bis hin zu Spott. Die meisten befragten Festivalbesucher glauben nicht, dass der Konsum von Kokain und Pillen auf Festivals begrenzt werden kann. Für viele scheint der Konsum auf solchen Veranstaltungen auch ein selbstverständlicher Bestandteil des Feierns zu sein.

Ton Nabben, Drogenforscher an der UvA, meint, dass „die Äußerungen von Grapperhaus vor allem ideologischer Natur [seien]: Er findet es offenbar unangebracht, dass auf Festivals Drogen konsumiert werden. Ältere Aussagen haben auch gezeigt, dass er Drogen entnormalisieren will, aber auf diese Weise wird man nicht gewinnen. Aber wie dann? Wenn Grapperhaus echt Eier in der Hose hätte, dann würde er auf internationaler Ebene für eine stärkere Regulierung von Drogen eintreten, damit keine enormen Gewinne mit illegalen Mitteln wie Ecstasy und Kokain verbucht werden können – so wie zurzeit.“