GESELLSCHAFT: Notfallnummer 112 gestern stundenlang nicht erreichbar

Den Haag, TA/NOS/NRC/VK, 25. Juni 2019

Eine Störung des Telekommunikationskonzerns KPN sorgte gestern dafür, dass die niederländischen Notrufnummern 112 und 0900-8844 stundenlang nicht erreichbar waren. Dadurch konnten die Niederländer keine Notrufe absetzten oder die Polizei und andere Behörden anrufen. Der Ausfall zeigte deutlich unsere Abhängigkeit von Kommunikationsnetzwerken. Auch die zuständigen Behörden hatten keinen Plan B zum Umgang mit der Situation. Daher war vor allem Kreativität gefragt.

Verschiedene Instanzen riefen die niederländischen Bürger nach einigen Stunden auf, Notrufe über soziale Medien abzusetzen und auf diesem Wege die Polizei und den Notarzt zu erreichen. Die Feuerwehr Haaglanden twitterte, dass man im Falle eines Brandes zur nächsten Wache laufen oder eine E-Mail schreiben solle. Nur auf der landesweiten Website der Polizei war – laut der Volkskrant  - auch nach Stunden keine Information verfügbar, wie man im Falle einer Notsituation auf sich aufmerksam machen solle. Laut dem NRC Handelsblad wurden dort allerdings Montagnachmittag alternative Telefonnummern bekannt gegeben, unter denen die Polizei erreichbar sein sollte.

Auch über das Notnachrichtensystem NL-Alert der niederländischen Regierung, mit dem an alle Mobiltelefone in einem gewissen Umfeld Nachrichten verschickt werden können, wurden alternative Telefonnummern bekannt gegeben. Teilweise waren aber auch die Nummern in den NL-Alert-Nachrichten nicht gültig, sodass korrigierte Nachrichten verschickt werden mussten.

Auf Twitter meldete die Polizei außerdem, dass alle verfügbaren Polizisten auf die Straße geschickt wurden, damit Bürger sie im Notfall direkt ansprechen können. Im Süden der Region Gelderland wurden auch Krankenwagen „auf Streife“ geschickt, damit sie von Bürgern angehalten und um Hilfe gebeten werden konnten.

Die Störung bei KPN zeigte eindrücklich, wie abhängig unsere Gesellschaft von der Telekommunikation ist. In den Niederlanden gibt es drei große Telekommunikationsunternehmen: KPN, Vodafone/Ziggo und T-Mobile/Tele2. KPN ist mit 5,2 Mobilabonnenten das größte Unternehmen der drei. Schon Anfang dieses Monats konnten KPN-Kunden zwei Stunden lang nicht miteinander kommunizieren. Durch eine Störung im Internetdatenverkehr konnte außerdem in manchen Geschäften der Niederlande nicht mit Karte bezahlt werden.

Bereits 2012 gab es eine Störung der landesweiten Notrufnummern in den Niederlanden. 164 Menschen konnten die Nummer 112 nicht erreichen, um einen Notfall zu melden. Mindestens eine Person kam damals durch die Störung ums Leben. Der damals zuständige Minister für Sicherheit und Justiz, Ivo Opstelten (VVD), betonte nach dem Vorfall damals, dass die Notrufnummern immer erreichbar sein müssen. Außerdem müsse es Notfallprocedere geben, falls die Nummern trotzdem nicht erreichbar sind. Dieser Vorsatz scheint lediglich zu Teilen umgesetzt worden zu sein. Allerdings wurde damals auch entschieden, dass im Falle einer Störung ausführlich mit den Bürgern kommuniziert werden müsse. Das hat durch das Versenden des NL-Alerts größtenteils funktioniert.

Gegen Abend waren die nationalen Notrufnummern dann wieder erreichbar. Laut Angaben von KPN ist der Grund für die Störung noch nicht bekannt. Allerdings scheine es sich nicht um einen Hackerangriff zu handeln. Im Verlauf des heutigen Tages wird vermutlich mehr bekannt gegeben.

Der Nationaal Coördinator Terrorismebestrijding en Veiligheid (NCTV) warnt, dass wir immer abhängiger von einer kleinen Anzahl an Parteien oder Gruppen werden. Im Falle eines Totalausfalls gebe es keine analogen Alternativen: Eine Gesellschaft, die sich immer abhängiger von digitalen Prozessen macht, macht sich auch besonders verwundbar. Wenn die zunehmende Digitalisierung nicht Hand in Hand mit zusätzlichen Sicherheitsregeln gehe, drohe eine gesellschaftliche Zerrüttung im Falle einer Störung.