GESUNDHEIT: HPV-Impfung auch in den Niederlanden bald für Jungen?

Den Haag, TA/NOS/NRC/VK/Tagesschau, 19. Juni 2019

Im Vergleich zu früher lassen sich immer weniger Menschen impfen. Manche Impfgegner verzichten sogar ganz darauf, ihre Kinder gegen Krankheiten immunisieren zu lassen. Laut der Weltgesundheitsorganisation sind sie damit eine globale Bedrohung, da bestimmte Krankheiten durch fehlende Herdenimmunität wieder auf dem Vormarsch sind: Man gefährdet damit Kinder und Erwachsene, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. In den Niederlanden empfiehlt der Gesundheitsrat in einem heute veröffentlichten Bericht, dass flächendeckender gegen das humane Papillomvirus (HPV) geimpft werden sollte. Es geht dabei auch um die Immunisierung von Jungen, ähnlich wie in Deutschland. Der Virus ist bei Frauen unter anderem für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

2010 wurde die Impfung gegen HPV in das Reichsimpfprogramm der Niederlande aufgenommen. Allerdings haben sich seitdem wenig Menschen für diese Impfung entschieden. Im ersten Jahr haben sie nur rund 56 Prozent der aufgeforderten Mädchen empfangen. Nach einem kleinen Anstieg der Impfbeteiligung sank der Wert dann 2016 auf ein Tief. Seitdem liegen keine Zahlen mehr vor.

Bei der Einführung dieser Impfung hatten die Niederlande das erste Mal deutlich mit Impfgegnern zu kämpfen. Sie fürchten, dass Impfungen zu Nebenwirkungen wie etwa chronische Müdigkeit, Autoimmunerkrankungen oder gar Autismus führen können. Obwohl in keiner wissenschaftlichen Studie ein Zusammenhang zwischen Impfungen und Nebenwirkungen festgestellt werden konnten, wuchs die Zahl der Impfgegner weiter an.

Im Falle der HPV-Impfung wird nun empfohlen, dass zukünftig auch Jungen geimpft werden sollen. Eine flächendeckendere Impfung sorgt dann für eine Herdenimmunität. Auch wenn HPV vor allem als Auslöser von Gebärmutterhalskrebs bei Frauen und Mädchen bekannt ist, kann eine Infektion auch für Jungen und Männer gefährlich sein. Auch bei Anal- und Peniskrebs, sowie bei Krebserkrankungen in Mund- und Rachenraum besteht häufig ein Zusammenhang mit einer HPV-Infektion. Auch Genitalwarzen werden durch HPV ausgelöst. Diese sind vor allem unangenehm.

Neben der Impfung aller Kinder – unabhängig von deren Geschlecht – sollte laut dem Gesundheitsrat auch das Impfalter angepasst werden. So müsse das Alter von derzeit dreizehn auf neun Jahre gesenkt werden, damit Kinder so früh wie möglich gegen HPV geschützt sind und einen ausreichenden Schutz aufbauen können. Für eine Impfung im Alter von dreizehn Jahren entschied man sich damals, da noch nichts über die Dauer des Impfschutzes bekannt war. Nun wisse man, dass auch eine Impfung in jüngerem Alter möglich ist.

Gleichzeitig wird das Aufstellen eines Impfprogramms für Menschen bis einschließlich 26 empfohlen, die noch nicht gegen HPV geimpft wurden. Dieses Programm, das ergänzend zu der regulären Impfung angeboten werden soll, soll nach fünf Jahren ausgewertet und beurteilt werden. Auch gegen die niedrige Impfbeteiligung gegen das HP-Virus sollte etwas getan werden.

Mit der Empfehlung des Rates schlagen die Niederlande damit denselben Weg ein wie Deutschland. Hierzulande wird auch die Impfung von Jungen im Alter von neun bis 14 Jahren seit einigen Monaten von den Krankenkassen bezahlt.  Nach Angaben der STIKO stecken sich jedes Jahr rund 6250 Frauen und 1500 Männer in Deutschland mit HPV an. Oft kann das Immunsystem den Virus selbst bekämpfen – wenn nicht, sind die oben genannten Erkrankungen die Folge der Infektion. Selbst Kondome helfen nur bedingt gegen den Virus.