BILDUNG: TU Eindhoven stellt nur noch Frauen ein

Eindhoven, TA/NOS/NRC/VK, 18. Juni 2019

Die Technische Universität Eindhoven wird freie Stellen in den kommenden Jahren nur noch für Frauen ausschreiben. Das verkündete die Leitung der Universität allen Mitarbeitern und Studierenden. Damit soll der Anteil von Frauen an der Einrichtung erhöht und ein gleicheres Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern hergestellt werden. Männliche Bewerber haben erst die Chance auf eine Stelle, wenn nach sechs Monaten keine geeignete weibliche Kandidatin gefunden werden konnte.

Ab den 1. Juli diesen Jahres werden freie Stellen nur noch von weiblichen Bewerbern besetzt werden können. Die Technische Universität Eindhoven weist laut Angaben des NRC Handelsblad den niedrigsten Anteil weiblicher Dozenteninnen auf. Lediglich 12,6 % der Lehrkräfte sind weiblich. Durch die neue Einstellungspolitik soll dieses ungleiche Verhältnis so schnell wie möglich beseitigt werden. „Wir wollen eine Veränderung der Kultur, wir wollen Diversität und Inklusivität vergrößern und dafür ist es wichtig, dass wir unser Ziel von 20 Prozent erreichen. Und da wir in den kommenden Jahren 150 feste Stellen besetzen müssen, können wir einen kräftigen Schritt nach vorne machen“, so Rektor Frank Baaijens.

Dabei sei es durchaus erlaubt und legitim, speziell nur nach weiblichen Kandidaten für eine Stelle zu suchen, so Baaijens. Man habe sich an vergleichbaren Programmen an anderen Universitäten orientiert. Auch das College voor de Rechten van de Mens, ein unabhängiges Aufsichtsinstitut für Menschenrechte in den Niederlanden, urteilte bereits 2012, dass die TU Delft nur noch nach weiblichen Mitarbeitern suchen dürfe, um möglichst schnell für mehr Gleichheit unter den Mitarbeitern zu sorgen.

Damals waren in Delft, anders als in Eindhoven, jedoch nicht alle Stellen nur noch für weibliche Mitarbeiter offen. In Eindhoven werden ausgeschriebene Stellen erst nach einem halben Jahr auch männlichen Bewerbern geöffnet. Laut Baaijens seien aber auch Ausnahmen von dieser Regel möglich. Z. B. wenn sich ein potentieller männlicher Nobelpreisgewinner an der TU Eindhoven bewerben würde.

Gerade für technische Universitäten wie in Eindhoven ist es besonders schwierig, überhaupt mehr Frauen einstellen zu können, da lediglich ein Viertel aller Technikpromovenden weiblich ist. Nach eineinhalb Jahren wird die neue Regel der TU Eindhoven evaluiert werden. Dann wird sich zeigen, ob sie Erfolg hatte und wie weit die gesetzten Ziele erreicht werden konnten. „Es ist natürlich kontrovers und wenn man nicht aufpasst, sagen Leute: Du hast die Stelle bekommen, weil du eine Frau bist. Aber wir wissen, dass es einen impliziten Genderbias gibt, dass wir beispielsweise eher einen Mann als eine Frau mit „Exzellent“ etikettieren, obwohl sich ihre Leistungen nicht unterscheiden.“