WIRTSCHAFT: König eröffnet neue Insektenfabrik in den Niederlanden

Bergen op Zoom, TA/Omroep Brabant/die Zeit, 11. Juni 2019

Insekten werden häufig als Lösung für die Nahrungsmittelknappheit der Zukunft gesehen. Dabei soll die Produktion von lebenswichtigem Eiweiß  schnell und günstig erfolgen. Während Insekten in anderen Ländern der Erde bereits verzehrt werden können, scheint der Gedanke in Europa noch größtenteils Ablehnung hervorzurufen. In den Niederlanden eröffnet König Willem-Alexander heute eine der modernsten Insektenfarmen Europas – zur Produktion von Eiweiß für die Landwirtschaft.

König Willem-Alexander wird heute eine Anlage des Unternehmens Protix offiziell und feierlich eröffnen. Dort sollen in Zukunft Insekten nach neuesten Verfahren für die Tierfütterung gezüchtet werden. Bislang ist die Fütterung von toten Insekten innerhalb der EU nur bei Haustieren und in der Fischzucht erlaubt, es wird jedoch erwartet, dass dieses Verbot beispielsweise auch für die Schweinezucht aufgehoben wird. Insekten zu verfüttern, führe zu einer nachhaltigeren Produktion von Fleisch und Fisch, teilte die niederländische Regierung mit.

Das bestätigt auch Arnold van Huis, Insektenexperte von der Universität Wageningen. Die Produktion von Insekten sei dabei weniger belastend für die Umwelt und gleichzeitig günstiger. Er prophezeit einen regelrechten Boom in der Insektenproduktion. Allerdings nur für die Verwendung als Tierfutter. In der menschlichen Ernährung werden Insekten – kurzfristig – keine große Rolle spielen. Vielleicht wird es also noch dauern, bis der Verzehr von Insekten für Europäer zur Normalität geworden ist – falls es das wird. Das bestätigt auch Züchter Tarique Arsiwalla. Die psychologische Barriere sei einfach zu hoch, als dass man plötzlich auf Insekten umsteigen könnte.

Der König wird auf seiner Führung durch die Anlage von der niederländischen Ministerin für Landwirtschaft, Carola Schouten, begleitet. Sie werden sich nicht nur die Produktion ansehen, sondern auch verschiedene Experten treffen. Kees Aarts, Geschäftsführer und Gründer, fühle sich laut eigener Aussage durch den Besuch des Königs sehr geehrt.

Die neue Anlage in Bergen op Zoom (Provinz Noord-Brabant) wird nach dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft produzieren. Dabei werden pflanzliche Abfälle und Reste als Futter für die Insekten wiederverwertet. Die Insekten wiederum bilden dann eine wichtige Eiweißquelle für Tierfutter. Protix exportiert dabei auch nach Deutschland und sieht in der deutschen Landwirtschaft – nach Aufhebung des Verbotes - einen vielversprechenden Markt.

In den Niederlanden gibt es zurzeit nach Angaben der Deutschen Presseagentur etwa 25 solcher Betriebe. Umsatzzahlen werden von ihnen aber nicht preisgegeben.

Zuvor war ein Plan zum Bau einer Anlage von Protix in Meerendonk in Den Bosch nach Protesten von Anwohner eingestampft worden. Sie fürchteten, dass sie durch Gestank, Lärm oder steigendem Verkehr beeinträchtigt werden könnten.