GESELLSCHAFT: Stress und Niedergeschlagenheit durch Erdbebenschäden in Groningen

Groningen, TA/NRC, 22. Mai 2019

Nach dem schweren Erdbeben in der nordniederländischen Provinz Groningen in der letzten Woche hat eine Umfrage unter 4.000 Personen nun gezeigt, dass die Bewohner der Stadt und Provinz Groningen unter psychischen und körperlichen Schäden leiden. Ursache hierfür sind die durch Erdgasförderung verursachten Erdbeben der Region und der Umgang der zuständigen Institutionen mit diesem Problem.

In der letzten Woche riss ein Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala viele Groninger frühmorgens aus dem Schlaf und setzte die nun schon seit Jahren andauernde Debatte um Erdgasförderung in den Niederlanden wieder auf die Agenda.  Jetzt zeigte eine Umfrage, dass die Beben nicht nur die Häuser und Gebäude der Region in Mitleidenschaft ziehen, sondern auch Einfluss auf die psychische und körperliche Gesundheit der Provinzbewohner haben. So fühlen sich viele Groninger durch die entstandenen Erdbebenschäden unsicher und wissen nicht, wie sie die Reparatur ihrer Häuser und die Verstärkung derselben angehen und bewerkstelligen sollen. Das führe unter anderem zu Stress und Niedergeschlagenheit, aber auch zu Beschwerden wie Herzrasen. Das gelte für junge wie alte Menschen, unabhängig von Familienstand oder Bildungsniveau. Dabei handele es sich bei den Betroffenen hauptsächlich um Bewohner, deren Häuser bereits mehrmals Erdbebenschäden davongetragen haben, so Katherine Stroebe und Tom Postmes, Dozenten für Sozialpsychologie von der Reichsuniversität Groningen. Ungefähr die Hälfte dieser Gruppe fühle sich durch die langsame Abwicklung von Schadensmeldungen und das fortwährende Ausbleiben von geeigneten Lösungen für ihre – durch die Erdgasförderung der niederländischen Erdölgesellschaft ausgelösten – Probleme zunehmend unsicher.

Vor drei Jahren untersuchten die Stroebe und Postmes erstmals die Auswirkungen der Gasförderung auf die Bewohner der Provinz Groningen. Damals stellten sie bei Bewohnern mit immer wiederkehrenden Schäden dieselben Problematiken fest wie heute. Laut den Wissenschaftlern sei also deutlich, dass sich in den letzten drei Jahren wenig zum Positiven entwickelt habe. Zwar gebe es ein neues System zur Abwicklung von Schadensmeldungen und viele Häuser wurden verstärkt, sodass sich deren Bewohner im Falle eines schweren Bebens lebend aus ihrem Zuhause retten können, das führe allerdings nicht zu Sicherheit, sondern zu einem gegenteiligen Effekt: Unsicherheit und finanzielle Sorgen vergrößern sich noch weiter. Bewohnern werde keine Deutlichkeit geboten und es sei schwierig herauszufinden, wer Reparaturen oder Verstärkungen an Häusern nun letztendlich bezahlen wird, so Stroebe. Dadurch stehe das Leben der betroffenen Personen momentan auf dem Abstellgleis.

Laut den Wissenschaftlern müssten Reparatur- und Verstärkungsprozedere schneller und großzügiger verlaufen. Außerdem müssten die zuständigen Institutionen persönlicher mit den Betroffenen kommunizieren und in Gespräch treten, sodass die Bedürfnisse der Bewohner mehr Gewicht bekommen und ausreichend beachtet werden. Auch müsse der durch die Erdbebenschäden entstandene Wertverlust ausreichend beglichen werden. Allerdings sei auch noch nicht sicher, wie. Laut Stroebe sei der Tiefpunkt dieser Sache noch nicht erreicht worden.