UMWELT: Erstes Wolfspaar in den Niederlanden gesichtet

Amsterdam, TA/NRC, 23. Mai 2019

Vor einem Monat wurde in den Niederlanden erstmals ein Wolfspaar fotografiert. Das beweist, dass sich der Wolf wieder in den Niederlanden festigen wird – falls der Mensch es zulässt. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch in den Niederlanden Bedenken wegen der Rückkehr des Wolfes, auch wenn Experten dies als positive Entwicklung sehen.  Anfang dieses Jahres haben die niederländischen Provinzen den sogenannten Wolfsplan aufgestellt, der als Leitfaden für den Umgang mit Wölfen dienen soll.

Auch wenn in den Niederlanden noch keine Wolfsfamilien oder ganze Rudel leben, so überqueren einzelne Tiere aus deutschen Rudeln regelmäßig die Grenze der beiden Länder. Im letzten Jahr sind beispielsweise acht Einzeltiere in den Niederlanden beobachtet worden und auch die Ansiedlung einer Familie oder eines Rudels ist laut Experten nicht unwahrscheinlich. Sie sehen in den zurückkehrenden Wölfen ein positives Zeichen, da sich die Bedingungen in den letzten 150 Jahren offensichtlich deutlich verbessert haben. Der Wolf nimmt als Raubtier eine wichtige Rolle in der Nahrungskette des Ökosystems ein, sodass sie ein Eingreifen des Menschen überflüssig machen können. So regulieren sie beispielsweise die Population von Hirschen, Rehen und Wildschweinen.  

Allerdings sind viele Niederländer, beispielsweise Schäfer, auch besorgt, da Wölfe auch Nutztiere reißen können.  Und tatsächlich gab es laut dem NRC Handelsblad im letzten Jahr mehrere Angriffe von Wölfen auf Schafe. Laut Joris Cromsigt, Ökologe an der Universität Utrecht, können diese Angriffe durch ein besseres Angebot an natürlichen Beutetieren verhindert werden. So müssen den Wölfen mehr Rehe oder Hirsche zur Verfügung stehen, die sie anstelle von Nutztieren reißen und fressen können. Gleichzeitig plädiert Cromsigt zusammen mit anderen Wissenschaftlern für eine räumliche Trennung von Wolf und Mensch. Falls die Tiere die Gelegenheit bekommen, in stabilen Populationen in gefestigten Gebieten zu leben, wird der Kontakt zwischen Wolf und Mensch auf ein Minimum reduziert und somit die Chance auf Konflikte deutlich verringert.  Durch das gezielte Abschießen der Tiere könne die Situation allerdings laut Experten nicht verringert werden, denn häufig entstehe dadurch ein Vakuum, das durch neue Wölfe gefüllt werde. Dadurch kann sich durch Abschießen der Konflikt zwischen Mensch und Tier sogar noch verschärfen.

Außerdem ist der Wolf eine geschützte Tierart, die nicht ohne weiteres zum Abschuss freigegeben werden kann und der durch Wölfe entstandene Schaden in den Niederlanden ist noch relativ klein, wenn man ihn mit dem Schaden durch andere Tierarten vergleicht. Gänse sorgten 2018 beispielsweise für Entschädigungszahlungen in Höhe von Millionen Euro, während der Wolf „lediglich“ für einen Schaden von rund 10.000 Euro verantwortlich war.   

Die niederländischen Provinzen haben Anfang dieses Jahres einen sogenannten wolvenplan entwickelt, der einen verlässlichen Leitfaden für den Umgang mit dem Raubtier darstellen soll. Darin ist festgelegt worden, dass professionelle und private Tierhalter in den kommenden drei Jahren auf die Rückkehr des Wolfes vorbereitet werden müssen. Außerdem sollen Regeln aufgestellt werden, wie etwa der Einsatz von Schäferhunden, das Aufstellen von Stromzäunen oder das Einstallen von Nutztieren über Nacht. Das seien laut Cromsigt gute Regeln, gleichzeitig müsse aber auch der Lebensraum des Wolfes verbessert werden.