UMWELT: Erde unter Groningen bebt erneut

Groningen, TA/NRC/Volkskrant/NOS/RTV Noord, 22. Mai 2019

Sie sind ein immer wiederkehrendes Thema im Leben der Groninger: Erdbeben. Nachdem die Erde unter der nördlichen Provinz der Niederlande lange Zeit ruhte, wurde jetzt wieder deutlich, dass der durch Erdgasförderung destabilisierte Boden unberechenbar bleibt: Am frühen Mittwochmorgen – um 5.50 Uhr – bebte die Erde unter Westerwijtwerd, nahe der Gemeinde Loppersum, mit einer Intensität von 3,4 auf der Richterskala. Damit gehörte das Beben zu einem der schwersten, die die Provinz jemals erleben musste. Bis in die zwanzig Kilometer entfernte Provinzhauptstadt Groningen fühlten hunderte von Menschen das Erdbeben deutlich. Sogar in der benachbarten Provinz Drenthe seien die Erdstöße noch fühlbar gewesen, so das NRC Handelsblad.

Premierminister Rutte nannte das Beben „schrecklich“ und sagte, dass die Gasförderung sich zu einem Alptraum entwickelt habe. René Paas, der Kommissar des Königs in der Provinz Groningen, will so schnell wie möglich die Förderung von Gas aus dem Groninger Boden stoppen: „Dieses Beben verdeutlicht mit einem Schlag, dass Groningen noch nicht sicher ist.“

Noch ist nicht bekannt, wie viel Schaden bei den teilweise durch andere Erdbeben vorgeschädigten Häusern angerichtet wurde. Bei einem Beben in Zeerijp im Januar letzten Jahres (NiederlandeNet berichtete) kam es – als Vergleich – zu rund sechstausend Schadensmeldungen. Auch bei diesem Beben trafen innerhalb der ersten Stunden bereits hundert Schadensmeldungen ein. Auf der zuständigen Stelle sind jedoch noch nicht einmal alle Meldungen aus dem letzten Jahr behandelt worden – und die neu eintreffenden Meldungen werden für einen Bearbeitungsstau sorgen. Bei bisher zwölf Meldungen handelt es sich laut der zuständigen Stelle um „akut gefährliche Situationen“.

Am Tag nach dem damaligen Beben von Zeerijp verkündete die Nederländische Erdölgesellschaft (NAM), dass man die Gasgewinnung an mehreren Orten stoppen oder reduzieren wolle. Zwei Monate später beschloss das Kabinett sogar, ganz aus der Gewinnung von Erdgas aussteigen zu wollen – und das bis zum Jahr 2030. Laut dem zuständigen Minister Wiebels (…) werde die geförderte Menge an Gas auch tatsächlich stetig zurückgeschraubt.  In diesem Jahr dürfe die NAM „nur noch" 19,4 Milliarden Kubikmeter fördern – im Jahr 2013 waren es noch fast drei Mal so viel.

Zwischen den betroffenen Groningern und der Niederländischen Erdölgesellschaft gab es in der Vergangenheit immer wieder Konflikte wegen des Wertverlusts beschädigter Gebäude. So konnten Betroffene ursprünglich nur dann eine Entschädigungszahlung beantragen, wenn sie ihr Haus verkauften. Im April dieses Jahrs wurde dieses Vorgehen durch ein neues System ersetzt, in dem auch dann Zahlungen getätigt werden, wenn die Bewohner in ihrem Haus wohnen bleiben. Die Höhe der Entschädigungen wird auf Basis der Postleitzahl des jeweiligen Hauses bestimmt – zu einer individuellen Bewertung von Schadensfällen kommt es also nicht.  

Bisher ist das Erdbeben von Westerwijtwerd das drittschwerste, das jemals in der Provinz gemessen wurde. 2012 bebte die Erde unter Huizinge mit einer Intensität von 3,6 und vier Jahre später kam es zu einem Beben der Stärke 3,5 bei Westeremden. Nun sind die Groninger wieder daran erinnert worden, dass der Grund unter ihren Füßen doch nicht so stabilisiert ist, wie manche dachten. Laut dem NOS sind sie wenig optimistisch, dass die Gasförderung nun schneller als zuvor eingestellt werden wird.