GESELLSCHAFT: Bauernhof in Boxtel durch Aktivisten besetzt

Boxtel, TA/Volkskrant/NRC/NOS 14. Mai 2019

Die Landwirtschaft ist seit jeher ein wichtiger Wirtschaftszweig der Niederlande. Jedoch gibt es von Seiten der Bürger – genau wie in Deutschland – auch immer Protest gegen die vorhandenen Formen der Tierhaltung. So auch am gestrigen Abend, als rund hundert Tierschutzaktivisten stundenlang einen Ferkelhof im niederländischen Boxtel besetzt hielten. Dabei nahmen sie nicht nur das Gelände des Hofs ein, sondern drangen auch bis in die Stallungen selbst vor. Dutzende Landwirte der Region versammelten sich später ebenfalls am Hof, um den betroffenen Landwirt zu unterstützen. Auch die mobile Einheit der niederländischen Polizei war vor Ort und versuchte, die Situation zu entschärfen.  

Die Aktivisten waren Teil der internationalen Tierschutzgruppe „Meat the victims“ und haben laut eigener Aussage diesen speziellen Ferkelhof nur zufällig ausgewählt, um beispielhaft auf die Missstände in der Viehhaltung aufmerksam zu machen. Dabei forderten die Aktivisten auch, dass den Medien der Zugang zu den Ställen ermöglicht werde und man die Zustände dort filmen dürfe. Außerdem forderten die Aktivisten die Zustimmung des Landwirtes, dass sie verwundete oder kranke Ferkel, die laut eigener Aussage in den Ställen vorhanden waren, mitnehmen dürften.

Spät am gestrigen Abend hat die Polizei dann die Besetzung des in der Region Noordbrabant liegenden Hofs beendet. Dabei kam es laut eigener Aussage der Polizei zu dutzenden Festnahmen, da sich die Aktivisten widersetzten oder keine gültigen Ausweisdokumente vorzeigen konnten.  Laut eines Berichts der Volkskrant wurden die Aktivisten zur örtlichen Polizeiwache gebracht, wo sie laut Jonathan Loogman, Sprecher von "Meat the victims", auch am Dienstag noch festsaßen. Die Aktivisten, die nicht festgenommen wurden, sind gegen zwei Uhr nachts am Bahnhof in Boxtel abgesetzt worden.

Die Besetzung des Hofes war anfangs friedlich verlaufen und die Polizei verhandelte intensiv mit den Verantwortlichen der Aktion. Nachdem sich neben den Aktivisten auch Landwirte am Hof versammelten, hat die Polizei die beiden Gruppen erfolgreich voneinander getrennt halten können. Trotzdem gelang es den verärgerten Landwirten, die Autos der Aktivisten umzuwerfen oder in Gräben zu schieben. Die Polizei bewachte den Bauernhof zur Sicherheit die ganze Nacht. Auch am heutigen Morgen wurden dort noch Polizeiwagen gesichtet.

Der Gewerkschaft für Landwirtschaft ZLTO fürchtet, dass die Ferkel in den besetzten Ställen vorsorglich getötet werden müssen, da die Aktivisten aus verschiedenen Teilen des Lande angereist sind und ohne Schutzmaßnahmen in den Stall eindrangen. Damit haben sie die Gesundheit der Tiere in Gefahr gebracht: Die niederländischen Bauern fürchten bereits seit Monaten ein Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest. Diese könnte theoretisch durch die Aktivisten in den Stall eingeschleppt worden sein.

Fast alle Parteien der Zweiten Kammer haben sich empört über die Aktion der Aktivisten geäußert. So forderte die Partij voor de Dieren, dass sich sowohl die Landwirte als auch die Aktivisten an die aktuellen Gesetze halten müssen. Marc Calon, Vorsitzender der Land- und Gartenbauorganisation Niederlande (LTO) will schnellstmöglich in Gespräch mit den verantwortlichen Ministern Schouten (Landwirtschaft) und Grapperhaus (Sicherheit und Justiz) treten.