KULTUR: Rijksmuseum könnte Gemälde Rembrandts vielleicht doch ankaufen

Amsterdam, TA/NRC 07. Mai 2019

Das Jahr 2019 steht in den Niederlanden ganz im Zeichen Rembrandts. Anlässlich des 350. Todestages des berühmten Malers werden in den Niederlanden viele verschiedene Ausstellungen organisiert. Aber auch außerhalb der Niederlande sorgt Rembrandt in diesem Jahr für Aufsehen: Frankreich ernannte ein Gemälde von ihm zum nationalen Erbe des Landes. Wird es letztendlich trotzdem den Weg ins Rijksmuseum finden?

Im April dieses Jahres meldete die niederländische Zeitung NRC Handelsblad, dass der Louvre in Paris die Absicht habe, das Gemälde De vaandeldrager aus der Kollektion der Bankiersfamilie Rothschild anzukaufen. Die Chance dazu bekam das Museum, da das Gemälde vom französischen Kulturminister Franck Riester zum nationalen Erbe seines Landes erklärt worden sei. Weil für das Meisterwerk somit keine Exportgenehmigung ausgegeben wurde, hat der Louvre somit ein Vorkaufsrecht. 30 Monate hätte der Louvre dann Zeit, den Verkaufsbetrag für De vaandeldrager zu beschaffen.

Doch das Thema ist damit noch nicht vom Tisch. In der Zeitschrift La tribune de l’art publizierte der französische Kunsthistoriker Didier Rykner nun den Artikel Nouveau Rembrandt Rothschild, nouveau scandale? Seiner Meinung nach wird der Louvre die benötigte Summe für den Ankauf des Gemäldes nicht beschaffen können, sodass die Chancen gut stehen, dass das Gemälde aus dem 17. Jahrhundert noch von Rijksmuseum gekauft werden könnte. Wegen der anhaltenden Proteste der Gelbwesten in Frankreich könne sich der französische Staat nicht erlauben, eine Summe von 165 Millionen Euro  für den Ankauf eines Bildes auszugeben, und die französischen Milliardäre werden nach den Zahlungen für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre Dame nicht noch einmal finanziell aushelfen.

Der französische Zweig der Familie Rothschild bot im Jahr 2014 schon einmal ein Gemälde Rembrandts zum Verkauf an. Die Porträts Marten & Oopjen standen damals für einen Preis von 160 Millionen Euro zum Verkauf. Nachdem eine Exporterlaubnis erteilt wurde und das Rijksmuseum diese ankaufen wollte, entstand Aufruhr in Frankreich. Letztendlich wurden die Porträts von den Niederlanden und Frankreich zusammen angekauft und sollten abwechselnd im Rijksmuseum und im Louvre präsentiert werden. Schon damals hatte der Louvre aber Probleme wegen der Finanzierung seines Anteils, sodass die Zentralbank Frankreichs einsprang und den französischen Teil des Ankaufspreises übernahm.

Das Rijksmuseum äußerte sich nicht zu den Vorhersagen Rynkers. Ein Sprecher des Museums ließ lediglich wissen, dass ein Ankauf des Gemäldes nicht zur Diskussion stehe, da keine Exporterlaubnis ausgesprochen sei.

Auch in Großbritannien wartet ein Werk eines niederländischen Künstlers auf einen Käufer. Für eine Zeichnung von Lucas van Leyden wurde hier ebenfalls ein Exportverbot ausgesprochen. Van Leyden gilt als einer der großen Graveurs der Kunstgeschichte und wird vom NRC Handelsblad mit Albrecht Dürer oder Rembrandt und Rubens verglichen. Bis Juli dieses Jahres können britische Museen die Zeichnung nun ankaufen.

Kulturministerin Ingrid van Engelshoven (D66) ernannte nun vor kurzem eine unabhängige Kommission unter der Leitung ihres Parteikollegen Alexander Pechthold, der bis letztes Jahr noch Fraktionsvorsitzender war und außerdem ursprünglich Kunsthändler ist. Man soll prüfen, ob genug unternommen werde, um den Verkauf von wertvollen, niederländischen Gemälden ins Ausland zu verhindern. Ende des Jahres soll das Ergebnis der Kommission veröffentlicht werden.