GESELLSCHAFT: Ist Lachgas die neue niederländische Festtagstradition?

Amsterdam, TA/NRC/NOS/Volkskrant  01. Mai 2019

Für König Willem-Alexander war der Königstag 2019 eine „fantastische Feier“. Viele Gemeinden störten sich allerdings am intensiven Lachgaskonsum vieler Festteilnehmer. Die Partydroge ist seit längerem in den Niederlanden populär geworden und dem Gesetz nach nicht verboten. Mit Lachgaspatronen verschmutzte Straßen sind aber ein bekanntes Bild nach Feierlichkeiten wie dem Königstag. Nun fordern mehrere Gemeinden landesweite Regelungen zum Umgang mit Lachgaskonsum.

Nach Festen oder Feiertagen sieht man sie häufig auf der Straße liegen: Kleine Metallpatronen, in denen sich Lachgas befand. Der Rausch, der durch Lachgas ausgelöst wird, ist kurz und gleicht dem Rausch durch Alkoholkonsum. Folglich nimmt auch Lärmbelästigung und risikoreiches Verhalten durch die Konsumenten zu. Dabei macht Lachgas nicht wie andere Drogen abhängig, der Konsum kann allerdings zu Kopfschmerzen und Schwindel führen. Langfristig können auch Konzentrationsstörungen die Folge sein. Werden innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Lachgas inhaliert, können durch Sauerstoff- oder Vitamin B12-Mangel sogar Hirnschäden auftreten. Bis vor drei Jahren fiel Lachgas in den Niederlanden noch unter das Arzneimittelrecht. Seitdem sich das geändert hat, ist der Konsum des Gases rapide gestiegen. Häufig nehme Jugendliche das Gas aber nicht als Droge wahr.

Nun wird von vielen niederländischen Gemeinden eine nationale Regelung in Bezug auf das Gas gefordert. Mache Gemeinden sind bereits ohne solche Vorgaben in Aktion getreten und haben Regeln erlassen. So darf Lachgas in Alkmaar nicht auf von der Gemeinde genehmigten Veranstaltungen durch Organisatoren herausgegeben oder verkauft werden. Auch in Hoorn, Veldhoven und Amstelveen pflegt man bereits eine solche Politik. Auf den Lachgasgebrauch außerhalb dieser Veranstaltungen haben die Gemeinden allerdings keinen Einfluss. Aufgrund der Tatsache, dass Lachgas dem Gesetz nach legal ist, dürfen Lachgasbehälter oder -Ballons nicht beschlagnahmt werden. Die Gemeinden können lediglich gegen den Verkauf und die Abgabe des Gases vorgehen, jedoch wird dieses Problem nicht von allen niederländischen Gemeinden gleich bewertet. So wurde der Verkauf von Lachgas während des Königstages in Amsterdam geduldet.

Neben der Verschmutzung der Straßen kann der Konsum des Gases auch eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen. Letzte Woche rammte eine Autofahrerin sechs parkende Autos und eine Hecke nach dem Inhalieren von Lachgas und während des Königstages wurden mehrere Rollerfahrer gesehen, die während der Fahrt Lachgas konsumierten. Auch wenn der Konsum an sich nicht unter Strafe gestellt ist, dürfte das Führen von Fahrzeugen unter Lachgas dennoch strafbar sein, so die Einschätzung eines niederländischen Anwalts.  

Laut eines Sprechers des Ministeriums für Justiz und Sicherheit wird es trotz der Forderung nach Regeln noch dauern, bis es zu landesweiten Maßnahmen kommen wird. Man wolle erst noch die Ergebnisse einer laufenden Studie abwarten.

Mittlerweile betitelte das NRC Handelsblad den Lachgaskonsum als neue niederländische Tradition zum Koningsdag, ähnlich wie koekhappen und spijkerpoepen.