GESELLSCHAFT: Bodycams sollen in den Niederlanden regelmäßig zum Einsatz kommen

Amsterdam, TA/NRC/Tagesschau/NOS  24. April 2019

Kleine Kameras, die von Polizisten als Teil der Dienstuniform getragen werden und für mehr Sicherheit sorgen sollen, das verbirgt sich hinter dem Begriff Bodycam. Nach diversen Experimente und Untersuchungen in verschiedenen Polizeieinheiten kommt die niederländische Polizei zu dem Schluss, dass Bodycams eine wertvolle Ergänzung für die Polizeiausrüstung sind. Minister Grapperhaus vom Ministerium von Sicherheit und Justiz kündigte letzte Woche an, dass eine größere Anzahl solcher Bodycams eingesetzt werden soll. 2.000 neue Kameras will die niederländische Polizei dafür anschaffen.

Alleine in Amsterdam probierten rund 700 Polizisten die kleinen Kameras aus. Der Nachrichtendienst NOS meldet, dass rund 15 Prozent von ihnen angaben, sich durch den Gebrauch von Bodycams sicherer zu fühlen, da die Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten sank. Das zeigte sich am deutlichsten in Bezug auf Drohungen oder Einschüchterungen. Durch den Gebrauch der Kameras sank der Prozentsatz hiervon von 74 auf 57 Prozent.

Auch außerhalb von Amsterdam fühlten Polizisten den deeskalierenden Effekt der kleinen Kameras. Bürger zeigten sich kooperativer, respektvoller und seien weniger aggressiv. Alleine schon die Ankündigung, dass die Situation durch Bodycams aufgezeichnet wird, bringt Bürger dazu, bewusster zu handeln.

Manchmal haben Bodycams aber auch den gegenteiligen Effekt. So komme es regelmäßig vor, dass betroffene Personen selbst beginnen, zu filmen. Eine solche Reaktion ist vor allem bei Jugendlichen zu beobachten.  Auch haben Bodycams auf betrunkene oder unter Drogeneinfluss stehende Personen keinen Einfluss.

Die verschiedenen Testphasen und Untersuchungen zu Bodycams haben auch gezeigt, dass in gewissen Punkten noch Verbesserungsbedarf besteht. Beispielsweise sei die Technik, die zur Verarbeitung der Bilder benötigt werde, noch nicht in allen Polizeistationen verfügbar.  Dadurch können die Aufnahmen zurzeit nicht immer schnell zur Verfügung gestellt und so vor Gericht angeschaut werden.  Auch müssten die Regeln und Vorschriften zum Gebrauch der kleinen Kameras besser erklärt werden, da es momentan diesbezüglich noch Defizite unter den Polizisten gebe. Vor allem durch genaue Vorschriften und einen sorgfältigen Einsatz der Bodycams will die niederländische Polizei den Argwohn der Bürger abbauen.

Lediglich einer der Befragten Polizisten gab an, dass die Bodycams seiner Meinung nach die Privatsphäre des Bürgers auf der Straße einschränkten. Während dieser befragte Polizist aber angab, gleichzeitig gerne eine Kamera zu tragen, um im Zweifelsfall eindeutig nachweisen zu können, dass er korrekt gehandelt habe, fürchten andere seiner Kollegen wiederum eine Kontrolle ihres Verhaltens und die Einschränkung ihrer Privatsphäre während der Arbeit.  

Nicht nur in den Niederlanden ist die Bodycam zukünftig Teil des Polizeialltags. Auch in Deutschland sind die Kameras Anfang dieses Jahres nach einer Testphase zugelassen und dürfen von Bundespolizisten benutzt werden. Der Gebrauch der Aufnahmen zur Leistungs- und Verhaltenskontrolle der Polizisten ist hierzulande nicht zulässig und auch bei internen Ermittlungen dürfen sie nicht eingesetzt werden.

Ähnlich wie in den Niederlanden steht auch in Deutschland die nötige Infrastruktur zur Verarbeitung und Übertragung der Aufnahmen noch nicht zur Verfügung. So sorgte die Speicherung von Einsatzaufnahmen auf Servern von Amazon vor kurzem für heftige Kritik.