BILDUNG: Budgetskandal an der Haga-Schule?

Amsterdam, TA/NRC/Volkskrant/NOS  23. April 2019

Das Cornelius Haga Lyceum, das zu den wenigen weiterführenden Schulen in den Niederlanden gehört, die eine islamische Grundausrichtung haben, stand bereits im März dieses Jahres aufgrund des Verdachtes in der Kritik, dass dschihadistische Kräfte an der Schule ihr Unwesen treiben sollen. Daraufhin stellte die Stadt Amsterdam die Förderung der Schule ein. Nun sorgte die Schule wieder für Aufsehen, diesmal aufgrund der Verwendung des Schulbudgets im letzten Jahr.

Der Allgemeine Nachrichten- und Sicherheitsdienst (kurz „AIVD“) hat Beginn dieses Jahrs einen geheimen Bericht veröffentlicht, der die Verwendung des Budgets des Cornelius Haga Lyceums offenlegt. Aus dem Bericht wird deutlich, dass rund ein Drittel des Budgets des Jahres 2018 an drei Familienmitglieder ging, die an der Schule arbeiten. Dabei floss das Geld vor allem in die Taschen von Direktor Söner Atasoy, dessen Einkommen laut der Inspectie van het onderwijs (deutsch „Bildungsaufsicht“) über der gesetzlichen Gehaltsrichtlinie für Schulleiter liegt. Laut dem Ministerium für Bildung darf jemand in der Position von Söner Atasoy nicht mehr als 118.000 Euro verdienen. Neben Atasoy selbst ging der Großteil des Personalbudgets, dass sich 2018 auf rund 410.000 Euro belief, an seinen Bruder, der nur einen Teil des Jahres an der Schule arbeitete, und an seine Schwägerin, die als Sekretärin beschäftigt ist.

Atasoy bestätigte gegenüber der niederländischen Zeitung NRC Handelsblad, dass er die gesetzliche Lohnrichtlinie überschritten habe. Das liege laut der Tageszeitung Volkskrant an einem Rechenfehler und sei Mitte 2018 entdeckt worden. Daher sei beschlossen worden, dass er ab 2019 das überschüssige Gehalt in Teilbeträgen zurückbezahlen wird. Über die Gehälter seiner Schwägerin und seines Bruders wollte er allerdings keine Aussagen machen. Er focht aber die Richtigkeit des AIVD-Berichts an, der seiner Meinung nach Fehler beinhaltete, schließlich habe die Schule weniger Mitarbeiter als vom AIVD angenommen und das komplette Gehaltsbudget sei auch inkorrekt. Wenn der AIVD keine stichhaltigen Beweise habe, dann solle er laut Atasoy keine Vermutungen äußern. Das Gehalt von Atasoys Bruder sei durch eine externe Geschäftsstelle festgelegt worden und mit seiner Schwägerin, die aufgrund ihrer Qualifikationen und Verfügbarkeit für diesen Posten ausgewählt wurde, ist vereinbart worden, dass sie das gleiche Gehalt verdiene wie bei ihrem vorherigen Arbeitsgeber, dem niederländischen Finanzamt.

Die Amsterdamer Bürgermeisterin Femke Halsema kündigte nach dem Bericht des AIVD aus dem vergangenen Monat an, dass sie sich ernste Sorgen mache und forderte die Schulleitung auf, zurückzutreten. Ihre Forderung hatte jedoch keinerlei Erfolg oder Konsequenzen. Zu dem zweiten Bericht des AIVD wollte sich nicht äußern. Auch die Bildungsaufsicht oder der AIVD wollten sich gegenüber dem NRC Handelsblad nicht äußern.

Die Bildungsaufsicht wird auf Basis des AIVD-Berichts die Finanzen des Cornelius Haga Lyceums prüfen und im Juni dieses Jahres selber einen Bericht veröffentlichen.