KULTUR:  Van Goghs dürfen gratis in die Niederlade zurückkehren

Amsterdam, TA/NRC/ 02. April 2019

Van Gogh zählt zweifelsohne zu einem der bekanntesten Niederländer weltweit. Es ist daher nicht verwunderlich, dass seine Werke nicht nur in den Niederlanden von Kunstbegeisterten bestaunt werden können. Eine Ausstellung im berühmten Kunstmuseum Tate Britain in London soll in diesem Jahr zeigen, wie der junge Van Gogh als angehender Kunsthändler, Lehrer und Pfarrer in England beeinflusst wurde. Van Gogh lebte damals im London zu Zeiten des berühmten Schriftstellers Charles Dickens, in einer Zeit wilder Ideen. Dabei will die Ausstellung vor allem einen Schwerpunkt auf den gegenseitigen Austausch von Van Gogh mit anderen Künstlern, wie etwa Hebbema oder Bacon, legen. Die immer noch ungeklärte Frage des Brexit sorgte jedoch bei den Museen, die Van Goghs Werke verleihen sollten, für einige Sorgen. Bis vor kurzem war es noch ungewiss, unter welchen Bedingungen die Werken zurückkehren können.

Vor der Ausstellungseröffnung letzte Woche hat der britische Fernsehjournalist Snow verkündet, dass die Niederlande die Werke Van Goghs als Diplomatengepäck nach London verschicken werden. Durch diese Lösung sei auch der Rückweg der Malereien im August, also voraussichtlich deutlich nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU, gesichert und man müsse sich keine Sorgen machen.

Dieser Kniff, der die Sendung der Van Gogh-Werke schützen soll, geht auf die Wiener Übereinkommen über diplomatische Beziehungen zurück und sei laut der niederländischen Zeitung NRC Handelsblad ein Beispiel für den Brexit-Pragmatismus der Niederlande, der im Vereinigten Königreich angeblich großen Anklang findet.

Allerdings gibt es einen großen Haken bei diesem Kniff: Er stimmt nicht. Laut eines Sprechers der niederländischen Botschaft in London sind die Museen sehr wohl besorgt in Bezug auf die Rückkehr ihrer Werke. Daher wurden auch das Außenministerium, Zollexperten und das Ministerium für Kultur, Bildung und Wissenschaft eingehend zu Rate gezogen. Dabei geht es jedoch weniger um mögliche Einfuhrzölle. Aus den Tarifbestimmungen der EU geht hervor, dass ein Nulltarif für Meisterwerke aus Drittstaaten hantiert wird.

Vielmehr machen sich die Museen Sorgen wegen Lizenzen und möglichen Mehrwertsteuerabgaben, denn wenn Museen Werke an Einrichtungen außerhalb der EU verleihen, beantragen sie eine Exporterlaubnis für eine zeitlich begrenzte Ausfuhr. Dadurch ist sichergestellt, dass sie ihr Eigentum einfach und ohne Probleme wieder zurück in ihre eigenen Einrichtungen holen können. Ohne eine solche Erlaubnis werden allerdings Einfuhrumsatzsteuer fällig.

Die Malereien, die nun an die Tate Britain verliehen werden, fallen aber weder in die eine noch in die andere Kategorie. Zum Zeitpunkt ihrer Abreise verlassen sie die EU nicht, weshalb keine Exporterlaubnis beantragt werden kann. Wenn die Werke aber im August zurückkehren, kommen sie im Fall eines No-Deal-Brexit aus einem Drittland. Die Sorge der Museen war also, dass die Rückkehr ihrer eigenen Werke für sie sehr kostspielig wird, denn bei dutzenden von Van Goghs wird es sich in diesem Fall nicht um eine geringe Summe handeln.

Allerdings bot Brüssel eine Lösung: Im März veröffentlichte die Europäische Kommission ein Dokument mit Richtlinien, wie Zolldienste mit einem No-Deal-Brexit umgehen sollen. Güter, die nachweislich nur zeitlich begrenzt im Vereinigten Königreich verbleiben, dürfen ohne Abgaben wieder in die EU zurückkehren. Damit war die Rückkehr der Werke gesichert und die Ausstellung der Tate Britain konnte ihre Türen öffnen. Es wird erwartet, dass mehrere tausend Besucher die Ausstellung besuchen und die Ergebnisse des gegenseitigen Austauschs bewundern werden.