KULTUR: Boekenweek – 10 Tage für die Literatur

Amsterdam, LM/Boekenweek, 27. März 2019

In den Niederlanden steht die aktuelle Woche erneut ganz im Zeichen der Literatur – zum 84. Mal findet die Boekenweek statt, um das Buch und die Literatur zu feiern. Am 23. März wurde die diesjährige Bücherwoche traditionell mit dem Bücherball eröffnet, zu dem Gäste aus der Literaturwelt eingeladen werden. Während der Woche erhält man im Buchhandel ab einem Einkaufswert von 12,50€ kostenlos das Boekenweekgeschenk dazu. In diesem Jahr wurde das Geschenk vom Autor Jan Siebelink geschrieben. Das Boekenweek-Essay, das man für 3,75€ erstehen kann, wurde von Murat Isik verfasst. Am Sonntag kann man abschließend gratis mit dem Boekenweekgeschenk als Ticket in den Niederlanden zugfahren – vielleicht trifft man dabei dann auch Jan Siebelink oder Murat Isik, die am  Sonntag in Zügen aus ihren Büchern vorlesen.

Die Bücherwoche soll die niederländische Literatur bewerben und wird von der Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek (dt. „Stiftung Kollektive Werbung für das Niederländische Buch“), kurz CPNB, organisiert. Das diesjährige Thema der Boekenweek lautet „De moeder de vrouw“ (dt. Die Mutter die Frau) und hatte vorab innerhalb der Literaturszene für heftige Kritik gesorgt, da gerade für dieses Thema mit Jan Siebelink und Murat Isik erneut zwei Männer als Autoren für das Boekenweekgeschenk und das Boekenweek-Essay ausgewählt wurden (NiederlandeNet berichtete). Bisher wurden siebzehn von zwanzig Boekenweekgeschenken von Männern verfasst, während nur drei von Frauen geschrieben wurden. Auch das Essay wurde bisher erst vier Mal von Autorinnen geschrieben. Das CPNB wies in einer Stellungnahme darauf hin, dass man die starke Frau in den Fokus habe rücken wollen, die Vermittlung eines konservativen oder traditionellen Rollenbildes der Frau sei zu keiner Zeit beabsichtigt worden.

Inspiriert wurde das diesjährige Thema von Martinus Nijhoffs gleichnamigem Gedicht; gleichzeitig verweist es auf zwei Romane von Renate Dorrestein zum Thema Mutterschaft. Das CPNB bezeichnet das Thema „De moeder de vrouw“ als äußerst vielseitig. Bei der Mutter und der Frau handele es sich um zwei Identitäten – ob diese untrennbar miteinander verbunden sind, sei eine relevante Frage, auf die es viele verschiedene Antworten gebe. Außerdem könne das Thema aus zwei verschiedenen Perspektiven betrachtet werden: aus der Sicht der Mutter, aber auch aus der Sicht des Kindes. Letztendlich handle es sich um ein Thema, das für jeden relevant sei, denn jeder habe eine Mutter, egal ob sie liebevoll, sorgsam, streng oder gar abwesend sei.

Jan Siebelink wurde 1938 in Velp geboren, 2005 gelang ihm der Durchbruch als Autor mit dem Roman Knielen op een bed violen (dt. „Im Garten des Vaters“, übersetzt von Bettina Bach), der von seinen Jugendjahren in Velp inspiriert wurde. 2017 erschien sein aktueller Roman De buurjongen. Das von Siebelink geschriebene Boekenweekgeschenk trägt den Namen Jas van belofte und handelt von Arthur, der mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wird. Während er glaubt, dass er stirbt und sich schon fast auf der anderen Seite befindet, blickt er auf das zurück, was er hinterlassen würde, und fragt sich, ob das ausreichend ist.

Murat Isik debütierte 2012 mit dem Roman Verloren grond (dt. „Das Licht im Land meines Vaters“, übersetzt von Gregor Seferens). 2017 erschien sein zweiter Roman Wees onzichtbaar, der 2018 den Libris Literatuur Prijs, den größten niederländischen Literaturpreis, und den Boekhandelprijs gewann. Das Essay von Murat Isik trägt den Namen Mijn moeders strijd und handelt vom Emanzipationskampf seiner Mutter Aynur, die in der Türkei aufgewachsen ist und dort verheiratet werden sollte.

In der kommenden Woche, vom 30. März bis zum 7. April, findet auch in Flandern die Boekenweek statt, die mit dem Start des Festivals des Buchhandels zusammenfällt, das den ganzen April über stattfindet. In Flandern findet die Bücherwoche erst zum achten Mal statt. Außerdem erscheint das Boekenweekgeschenk dieses Jahr erneut auch in einer friesischen Ausführung unter dem Namen Jas fan belofte.