KULTUR: Gestohlenes Gemälde von Picasso wurde nach 20 Jahren in den Niederlanden gefunden

Amsterdam, LM/VK/NRC, 26. März 2019

Vor fast zwanzig Jahren erwarb Scheich Abdul Mohsen Abdulmalik Al-Sheikh für vier Millionen Euro Pablo Picassos Gemälde Buste de Femme, das aus dem Jahr 1938 stammt und Picassos Geliebte Dora Maar zeigt. Im März 1999 wurde das Bild von der Jacht des Scheichs gestohlen und war seitdem spurlos verschwunden – bis vor wenigen Tagen. Der niederländische Kunstdetektiv Arthur Brand hat das Gemälde in der vergangenen Woche von Kontaktpersonen aus der Amsterdamer Unterwelt entgegengenommen. Einen Tag später, am 15. März, wurde es von Experten untersucht und für echt befunden.

Die niederländische Tageszeitung De Volkskrant berichtete am vergangenen Montag ausführlich über den spektakulären Fund Brands. Arthur Brand ist der bekannteste Kunstdetektiv der Niederlande und war der Hauptdarsteller in der Fernsehdokumentation „Der Kunstdetektiv“. Vor dem Fund der Buste de Femme hatte Brand unter anderem bereits dabei geholfen, die bei einem Diebstahl im Scheringa Museum entwendeten Gemälde Adolescence von Salvador Dalí und La Musicienne von Tamara de Lempicka wiederzufinden. Insgesamt hat Brand eigenen Angaben zufolge dazu beigetragen, Kunst im Wert von ungefähr 150 Millionen Euro wiederzubeschaffen.  

Vor allem Brands Kontakte zur niederländischen Unterwelt haben ihm schon oft dabei geholfen, verschwundene Kunst wieder aufzustöbern. Auch diesmal war das nicht anders. Die Buste de Femme gehörte zu zwanzig Fällen, an denen Brand permanent arbeitet, was bedeutet, dass er sich immer wieder in den entsprechenden Kreisen nach dem Gemälde erkundigt hat. Picassos Gemälde wurde Brand zufolge bereits seit 2002 in der niederländischen Unterwelt als Pfand bei kriminellen Transaktionen verwendet. 2016 konnte Brand erstmalig eine konkrete Spur finden – bei einem Treffen mit einem Immobilienmakler gab dieser zu, das Bild eine Zeit lang besessen zu haben. Folglich war es wahrscheinlich, dass das Gemälde noch immer in der niederländischen Unterwelt kursierte.

Vor einem Monat wurde Brand schließlich von zwei Personen kontaktiert, die ihm erzählten, dass das Gemälde bei einem Geschäftsmann hänge, der er es aber unbedingt loswerden wolle. In genau solchen Momenten könne er von der Situation profitieren, so Brand. Oftmals würde ein Gemälde gerne als Pfand oder als Geldersatz angenommen, doch sobald der neue Besitzer erfährt, dass es sich dabei um ein gestohlenes Objekt handelt,  wolle er es meist sehr schnell loswerden. Die Meldung bei der Polizei sei dann aber keine Option, sodass viele Personen an den Kunstdetektiv herantreten würden. So auch in diesem Fall: Am 14. März brachten Brands Kontaktpersonen das Gemälde zu seinem Apartment. Und Brand dachte sogleich: Dieses Gemälde kann nur ein echter Picasso sein.

In einer ersten Reaktion spricht Brand von „einem guten Tag für die Kunstwelt“. Ihm zufolge ist der Fund des Gemäldes in vielerlei Hinsicht wichtig: Picasso sei der wichtigste Künstler des 20. Jahrhunderts, das Gemälde sei dem Künstler wichtig gewesen und habe jahrelang im Haus des Künstlers gehangen, weshalb es auch nicht signiert sei, und außerdem sei es noch nie ausgestellt worden. Wer seine Kontakte sind, will Brand nicht verraten. Was genau dahinter stecke, sei nicht wichtig, die Menschen hätten letztendlich schließlich etwas Gutes getan. Oftmals würden Gemälde, die sich nur schlecht verkaufen lassen, einfach vernichtet. In diesem Fall habe man also Glück gehabt. Der frühere Besitzer Abdul Mohsen Abdulmalik Al-Sheikh hatte nach dem Diebstahl Geld von der Versicherung erhalten. Jetzt erhält er zusätzlich das Vorrecht auf den erneuten Kauf des Gemäldes.