ARCHITEKTUR: „Vertikale Wälder“ sollen Stadt und Natur verbinden

Utrecht, LM/NRC/Wonderwoods, 20. März 2019

In Utrecht und Eindhoven sollen mehrere sogenannte „grüne Hochhäuser“ gebaut werden, um die Natur in die Stadt zu bringen. Die Entwickler der sogenannten Wonderwoods, die in Utrecht entstehen sollen, möchten in Innenstädten ein gesundes und glückliches Leben ermöglichen – im Einklang mit der Natur. Gegenwärtig wohnt bereits 54 Prozent der Weltbevölkerung in der Stadt. Schätzungen zufolge wird die Urbanisierung unaufhaltsam voranschreiten: 2050 könnten schon 85 Prozent der Menschen in der Stadt leben. Aus diesem Grund, so Wonderwoods Development, müsse das Gleichgewicht zwischen Natur und Stadt wiederhergestellt werden.

In Eindhoven haben die Bauarbeiten des „vertikalen Waldes“ der Wohnungsbaugesellschaft Trudo bereits begonnen – dort entsteht ein 70 Meter hohes Wohnhaus mit Sozialwohnungen, das mit 125 Bäumen und 5.200 Pflanzen bestückt wird. In Utrecht soll Ende des Jahres der Bau von Wonderwoods beginnen. Zwei Hochhäuser mit 360 Bäumen und 9.640 Sträuchern sollen dem Ungleichgewicht zwischen Mensch und Natur entgegenwirken, erklären die Entwickler von Wonderwoods Development.

Wie auch die SchülerInnen-Streiks unter dem Motto „Friday for future“ zurzeit zeigen, ist der Klimaschutz ein Thema, das immer weiter in den Fokus der Gesellschaft rückt. Auch die „vertikalen Wälder“ sollen bei der Verbesserung der oftmals stark verschmutzten Stadtluft helfen. Die Pflanzen der Hochhäuser nehmen den Bauherren zufolge Treibhausgase auf, produzieren Sauerstoff, senken die Temperatur und fördern die Biodiversität, da Schmetterlinge, Bienen, Spinnen, andere Insekten und Vögel angezogen werden. Man habe vor allem einheimische Pflanzen ausgewählt, damit es fast so wirke, als befinde man sich im Nationalpark Utrechtse Heuvelrug, erläutert Landschaftsarchitekt Timo Cents von Arcadis. Auch auf die Stadtbewohner sollen die grünen Hochhäuser eine positive Wirkung haben, denn die Natur macht die Bewohner ruhiger, vermindert den Stress, macht glücklicher und sowieso ist es natürlich gesünder, von der Natur umgeben zu sein.

Das Vorbild für die grünen Hochhäuser in Eindhoven und Utrecht ist der von Architekt Stefano Boeri entworfene „Bosco Verticale“ in Mailand, der vor fünf Jahren gebaut wurde. Boeri zeichnet auch die Entwürfe für das Hochhaus in Eindhoven und für einen der Wohntürme in Utrecht. Jack Hock, der Projektleiter von Strijp-S, einem neuen Viertel im Zentrum von Eindhoven, bezeichnet das Eindhovener Hochhaus sogar als eine Kopie des „vertikalen Waldes“ aus Mailand. Vor fünf Jahren sei er selbst in Mailand gewesen und habe beim Anblick des „Bosco Verticale“ gedacht: Es ist besser, etwas Gutes zu kopieren, als sich selbst etwas weniger Gutes auszudenken. Also habe man Boeri kontaktiert, um die urbane Umgebung mit Pflanzen lebendiger zu gestalten.

Wonderwoods verfolgt in Utrecht ambitionierte Pläne: Man wolle etwas für den Klimaschutz tun und den Menschen einen gesunden Lebensstil nahebringen. Aus diesem Grund wurde auch genügend Platz für „gesunde“ Unternehmen eingeplant; im Haus soll es beispielsweise ein Yogastudio geben. Auch soll es einen kleinen Park auf dem Dach geben, der für die Bewohner zugänglich sein soll. Der erste Turm in Utrecht soll mit Bäumen und Sträuchern eingehüllt sein – nach dem Entwurf von Stefano Boeri. Beim zweiten Turm hingegen soll die Natur von innen nach außen wachsen – hierfür wird ein Entwurf von MVSA Architects verwendet.  

Die Pflanzen an den Hochhäusern sollen von „flying gardeners“ unterhalten werden – von Gärtnern, die sich entlang der Bäume und Sträucher abseilen. Der Bau der „vertikalen Wälder“ soll in drei Jahren abgeschlossen sein.