GESELLSCHAFT: Fühlen sich Niederländer mit ihrer Provinz verbunden?

Amsterdam, LM/I&O Research, 19. März 2019

Am morgigen Mittwoch stehen in den Niederlanden die Provinzialwahlen an. Im Auftrag von NOS und den regionalen Rundfunkanstalten führte das Forschungsinstitut I&O Research eine Umfrage zum Thema „Regional- und Provinzverbundenheit von Niederländern“ durch. Befragt wurden knapp 25.000 Niederländer. Die meisten von ihnen fühlen sich vor allem mit den Niederlanden verbunden, darauf folgt der Wohnort und erst dann folgt die Verbundenheit zur eigenen Provinz, zur Region oder zu Europa. Doch wie so oft bestätigen Ausnahmen die Regel: In Groningen, Friesland, Zeeland und Limburg fühlt mehr als die Hälfte der Einwohner eine starke Verbundenheit zur Provinz.

Vom 18. bis zum 28. Januar führten I&O Research sowie NOS und die regionalen Rundfunkanstalten die Umfrage zur Provinzialverbundenheit durch. Auf die Frage „Womit fühlen Sie sich vor allem verbunden?“ wählten 57 Prozent der Befragten die Niederlande aus, 32 Prozent gaben an, am stärksten mit dem Wohnort verbunden zu sein, worauf schließlich mit 21 Prozent die Provinzen und mit 19 Prozent die Regionen folgten. Die Unterschiede innerhalb der jeweiligen Provinzen sind jedoch groß: In den Provinzen Friesland, Groningen und Limburg fühlen sich deutlich mehr Menschen eher mit der eigenen Provinz als mit den Niederlanden verbunden, während sich die Einwohner von Utrecht, Süd-Holland und Nord-Holland vor allem mit dem Wohnort verbunden fühlen – was sich durch die großen Städte mit besonderer Ausstrahlung erklären lässt.

In der Umfrage wurde auch der Stolz auf die eigene Provinz untersucht: Hier zeigt Friesland erneut eine deutliche Provinzialverbundenheit. 73 Prozent der Friesen gaben an, „sehr stolz“ auf die eigene Provinz zu sein, gefolgt von Zeeland mit 65 Prozent, Drenthe mit 61 Prozent und Groningen mit 60 Prozent. In Süd-Holland, Nord-Holland, Utrecht, Flevoland, Overijssel und Gelderland sind die Menschen nicht besonders stolz auf ihre Provinzen.

Die Stolzbekundungen hängen vor allem mit der Natur und der Mentalität der Einwohner zusammen. In Zeeland, Gelderland und Drenthe ist man vor allem auf die Natur stolz. In Groningen wurde in Bezug auf die Natur oftmals die Weite der Landschaft genannt, in Drenthe sind es die Heide und der Wald und in Süd- und Nordholland vor allem das Meer, die Küste und die Dünen. Die Mentalität der Menschen ist den Friesen, in Drenthe und in Overijssel sehr wichtig und die Einwohner von Groningen und Utrecht sind oftmals auf die Innenstädte und besondere Gebäude stolz. In Friesland und Limburg ist man außerdem besonders stolz auf die Kultur und die Traditionen. In Friesland ist zudem ein anderer Faktor wichtig für die Verbundenheit: die eigene friesische Sprache. Fast die Hälfte der befragten Friesen hat angegeben, fast immer Friesisch statt Niederländisch zu sprechen. Für Menschen, die ursprünglich nicht aus Friesland kommen, aber dorthin gezogen sind, stellt die fremde Sprache jedoch eine Hürde dar.

Auch wurde die Frage nach dem bekanntesten Landsmann gestellt. In Friesland und Zeeland waren sich die Teilnehmer der Umfrage ziemlich einig: In Zeeland wurde der Seefahrer Michiel de Ruyter mit 45 Prozent der Stimmen zum bekanntesten Landsmann gewählt (weitere Informationen zu Michiel de Ruyter auf NiederlandeNet) und in Friesland der Freiheitskämpfer Grutte Pier mit 36 Prozent der Stimmen zum größten Friesen ernannt. In Overijssel wurde der Kabarettist Herman Finkels am häufigsten genannt, in Nord-Brabant der Sänger Guus Meeuwis, in Groningen der Sänger Ede Staal und in Limburg der Kabarettist Toon Hermans.

Geschämt wird sich kaum für die eigenen Provinzen. Wenn in der Umfrage allerdings trotzdem von Scham gesprochen wurde, bezog sich dies meist auf die Mentalität der Provinzeinwohner – 13 Prozent aller Niederländer schämt sich dafür. In Zeeland sind es sogar ganze 18 Prozent, die sich für die Mentaliät der Zeeländer schämen – diese seien oftmals spießbürgerlich, zeigten sich neuen Ideen gegenüber nicht offen und lehnten Ausländer ab.